Twitter hat mehrere hundert Millionen Nutzer, arbeitet aber immer noch an einem langfristigen Geschäftsmodell. Das Geld soll mit Werbung verdient werden. Dabei muss der Onlinedienst aufpassen, die Nutzer nicht zu verärgern.

Twitter macht ernst mit dem Geldverdienen: Der Onlinedienst für Kurznachrichten blendet bald in seinen Anwendungen für Smartphones mehr Werbung ein. Die sogenannten "Promoted Tweets" - Twitternachrichten, die eigentlich bezahlte Anzeigen sind - werden dort in den nächsten Wochen verstärkt zu sehen sein, wie das Unternehmen am Dienstag in seinem Blog mitteilte. Viele Twitternutzer greifen über mobile Geräte auf den Dienst zu.

Twitter experimentiert bereits seit einiger Zeit mit Werbung auf mobilen Geräten. So hebt das Unternehmen in der Suchfunktion gegen Bezahlung bereits bestimmte Tweets und Trendthemen hervor. Mit dem jüngsten Update werden die Werbe-Tweets nun auch in den Apps für iPhone und Android-Geräte in der Timeline ausgeliefert, dem zentralen Element des Dienstes.

Adressatenkreis wird ausgeweitet

In einer Testphase bekamen die Werbetweets zunächst nur Nutzer zu sehen, die bereits den Mitteilungen der Unternehmen oder Marken folgten. Jetzt wird der Kreis ausgeweitet: Angesprochen werden auch Menschen mit "ähnlichen Interessen" wie bisherige Abonnenten der Twitterströme der Firmen.

Die Twittergründer hatten nach dem Start des Dienstes 2006 zunächst auf Werbung verzichtet, um die Anwender nicht zu verschrecken. Als später das Geldverdienen stärker in den Fokus rückte, bekam Twitter zu spüren, wie schwer es ist, gerade Nutzer mobiler Geräte für Werbung zu gewinnen. Ein ständig präsenter schwarzer Balken, der "Trends"und Werbung anzeigte, stieß auf so starken Widerstand, dass er schnell wieder abgeschafft wurde.

Viele mobile Zugriffe

Werbung auf mobilen Geräten könnte für Twitter zu einer wichtigen Einnahmequelle werden: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der mehr als 100 Millionen aktiven Nutzer greife mindestens einmal im Monat von einem mobilen Gerät auf den Dienst zu, erklärte die Firma.

Auch Facebook hatte kürzlich angekündigt, in den Apps für Smartphones und Tablet-Computer Anzeigen einzublenden. Nach Angaben des weltgrößten Onlinenetzwerks greift rund die Hälfte der 850 Millionen Nutzer regelmäßig von mobilen Geräten auf die Plattform zu. Ihnen wurde bislang keine Werbung angezeigt.