Die Versteigerung der UMTS-Mobilfunk-Frequenzen für Deutschland schwächt die Wettbewerbsfaehigkeit der deutschen Netzbetreiber. Davon gehen die Telekommunikations-Fachleute der Mummert + Partner Unternehmensberatung aus.

Die Versteigerung der UMTS-Mobilfunk-Frequenzen für Deutschland schwächt die Wettbewerbsfaehigkeit der deutschen Netzbetreiber. Davon gehen die Telekommunikations-Fachleute der Mummert + Partner Unternehmensberatung aus.

Seit heute, Montag den 31. Juli 2000, läuft seit 10 Uhr in Mainz der Poker um die UMTS-Lizenzen für die nächste Mobilfunk-Generation. Sieben Schwergewichte der Telekommunikationsbranche konkurrieren in einer nach oben offenen Versteigerung um die begehrten Lizenzen. UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ermöglicht über das Handy eine zwölf mal schnellere Datenübertragung als ISDN und gilt daher für den Mobilfunk als die Technologie der Zukunft.

Jedoch nicht alle sehen die Zukunft rosig. Die Unternehmensberatung Mummert + Partner begründet ihre negative Einschätzung damit, dass in den meisten europäischen Ländern die Handy-Lizenzen der Zukunft billiger zu haben seien als in Deutschland. Ausländische Konkurrenzfirmen könnten so gespartes Geld in den deutschen Markt investieren, während sich die deutschen Unternehmen mit Engagements im Ausland schwer tun.

"Dadurch kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung", meint Mobilfunk-Experte Andreas Hoffmann von Mummert + Partner. Die deutschen Netzbetreiber müssten sich wegen der hohen Kosten auf eine lange finanzielle Durststrecke einstellen: Bis zu 20 Milliarden DM würden sie sich voraussichtlich eine Lizenz kosten lassen. Hinzu kämen fünf bis zehn Milliarden DM für den Netzaufbau. "Schwarze Zahlen sind frühestens in zehn Jahren denkbar", prognostiziert Unternehmensberater Hoffmann.

Im Jahr 2008 laufen die Lizenzen für die heutigen D-Netze aus - ein möglicher Grund für viele Handy-Nutzer, auf UMTS umzusteigen. Noch ist unklar, ob sich die immensen Investitionen in absehbarer Zeit auszahlen. Die Ursache: Der Normalverbraucher hat in der Startphase noch wenig von den neuen Multimedia-Möglichkeiten der UMTS-Netze, weil geeignete Dienstleistungsangebote fehlen

Ein Massenmarkt für die nächsten Jahre sei daher nicht in Sicht. Prognosen, dass 2010 weltweit ein bis zwei Milliarden Kunden UMTS nutzen werden, sind nach Ansicht von Mummert + Partner nicht haltbar. "Wer nur telefonieren möchte, braucht kein UMTS-Handy", gibt Andreas Hoffmann zu bedenken. "Die Anschaffung lohnt sich auch nicht, um ab und zu eine Video-Postkarte zu versenden." Für Handy-Fähigkeiten wie mobile Videokonferenzen bestehe nur bei Managern Bedarf. Bankgeschäfte, Börsenhandel und Einkäufe per Handy sind schon mit den gegenwärtigen Standards WAP (Wireless Application Protocol) und GPRS (General Packet Radio Service) kein Problem. Erst wenn die Telefonkonzerne in der Lage sind, ihren Kunden übers Handy vielfältige Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten anzubieten, werde sich UMTS auf breiter Front durchsetzen.

Für die bis zu 200-mal schnellere Datenübertragung und die zusätzlichen Multimedia-Fähigkeiten der UMTS-Handys müssten die Kunden tief in die Tasche greifen. Über hohe Grundgebühren hätten sie die enormen Lizenzkosten mit zu tragen. "Trotz Subventionen der Netzbetreiber ist mit 50 bis 80 Mark pro Monat zu rechnen", analysiert Mummert + Partner-Berater Hoffmann. Dies wird nach Ansicht der Unternehmensberatung viele potenzielle Nutzer abschrecken. Doch nicht nur die Grundgebühren, auch die Handys selbst würden bei UMTS teurer sein als bei den heutigen D- und E-Netzen. Da sie mehr technische Standards beherrschen müssen, rechnen Fachleute mit dem doppelten Preis wie für derzeitige Top-Geräte. (RS)

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Mummert + Partner Unternehmensberatung AG
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