Der Buchmarkt in den USA ist nicht nur der größte der Welt, er ist auch das, was man im Englischen einen „bellwether“ nennt, was im Deutschen nichts anderes ist als der gute alte „Leithammel“. Trends und Marktveränderungen sind hier oft zu beobachten, die sich erst Jahre später in den europäischen Märkten zeigen. Bestes Beispiel dafür ist alles, was mit E-Commerce und Internet zu tun hat – vom Markterfolg der E-Books bis zu Kauf-Apps für Verlage und Buchhändler.

Sollten die Entwicklungen, wie sie sich im US-Buchhandel abzeichnen, in einigen Jahren auch hierzulande eintreten, sollten die Glocken bereits jetzt auf Alarm gestellt werden. Denn nachdem bereits 2011 die Onlinehändler einen Marktanteil von 39 Prozent am Buchmarkt erreichten und damit den guten alten stationären Buchhandel als Nummer Eins bei den Buch-Absatzkanälen ablösten, setzten sie 2012 noch einen drauf: Satte 44 Prozent aller Buchverkäufe, ob gedruckt oder elektronisch, laufen inzwischen Online ab. Das berichtet eine aktuelle Studie des Buchmarkt-Informationsdiensts Bowker.

E-Books machten 11 Prozent der Umsätze aus, im Vorjahr lagen sie noch bei 7 Prozent. Hier macht sich der in den USA sehr deutliche Preisunterschied zwischen gedruckten und elektronischen Büchern bemerkbar, der besonders von niedrigpreisigen Angeboten aus dem Self Publishing-Sektor beeinflusst wird. Der Verlegerverband AAP hatte vor kurzem berichtet, dass fast 30 Prozent aller abgesetzten Bücher E-Books waren.

Rasantes Wachstum der E-Books

Das Wachstum des E-Book-Verkaufs wird von Bowker als grundsätzliche Änderung des Verkaufsverhaltens gewertet. Dies macht sich besonders in den Massenmarktsegmenten bemerkbar, wie Krimi, Fantasy, Science Fiction und Romance: Bei diesen „Schnelldrehern“ der Branche sind inzwischen um die 20 Prozent der Umsätze in den E-Book-Bereich abgewandert. Dies hat zu deutlichen Rückgängen beim Verkauf von Taschenbüchern geführt.

Trotz des Erfolgs von E-Books im Massenmarkt ist die Produktion von gedruckten Büchern nicht entscheidend eingebrochen. Insgesamt 301.000 Titel wurden produziert, etwa 3,5 Prozent mehr als 2011. Damit hat sich seit 2009, als E-Books zum ersten Mal eine nennenswerte Größe darstellten, die Produktion von gedruckten Büchern nur um 1 Prozent verringert.

Jedes vierte Buch kommt von Amazon

Ein wichtiger Grund für den Erfolg der Online-Händler ist sicherlich das Schwächeln der traditionellen Absatzkanäle, die sich von der Pleite des Großfilialisten Borders, der ehemaligen Nummer Zwei im Markt, nicht erholt haben: Mit dem Zusammenbruch des Unternehmens verschwanden 2011 fast 600 Buchhandlungen.

Auch die langjährige Nummer Eins Barnes & Noble kriselt vor sich hin, was sich in dessen Planungen für die Zukunft widerspiegelt: Inklusive seiner College-Bookshops betreibt BN derzeit rund 1300 Filialen; davon sollen in vier Jahren nur noch rund 500 übrig bleiben. Fast schon logische Folge: Amazon hat BN als größten Buchhändler der Welt abgelöst: Etwa jedes vierte Buch, ob gedruckt oder elektronisch, das in den USA verkauft wird, verpackt der freundliche Riese aus Seattle. Damit verkauft allein Amazon mehr Bücher als der klassische Buchhandel, der zusammengerechnet nur noch 19 Prozent Marktanteil hat.

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