An den deutschen Kassen werden Kartenzahlungen immer beliebter. Der Einzelhandel schätzt günstige Verfahren.

Die Familie war fast vollständig versammelt: Mit 504 Teilnehmern konnte das EHI Retail Institute als Veranstalter des alljährlichen Branchentreffs der Kartenwelt einen neuen Rekord vermelden.

Für Händler, Dienstleister, Terminalhersteller und Berater, die sich mit dem bargeldlosen Bezahlen befassen, ist der EHI Kartenkongress in Köln ein Pflichttermin. Spannende Themen gibt es in ausreichendem Maße, denn die Branche steht vor großen Umbrüchen. Die Bemühungen um einen einheitlichen europäischen Zahlungsraum (SEPA) in dem europaweit jede Karte an jedem Terminal akzeptiert werden soll, wird Veränderungen mit sich bringen, die auch am Einzelhandel nicht vorbeigehen werden.

EC-Karte die Nummer eins

Rund 35 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland wurden im vergangenen Jahr mit Kartenzahlungen erzielt – auch dies ein neuer Rekord. Der Löwenanteil davon entfiel auf die EC-Karte, Kreditkarten spielen an den deutschen Ladenkasse nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.

Bemerkenswert allerdings: Erstmals übertrafen in 2007 die Umsätze im PIN-gestützten Electronic Cash-Verfahren denn Anteil der per Karte und Unterschrift auf Lastschriftbasis erzielten Erlöse. Allerdings hält sich die Quote des im Handel beliebten EC-Lastschriftverfahrens (ELV) recht stabil.


Weniger Zahlungsausfälle im Lastschriftverfahren

Eine aus Sicht der Handelunternehmen erfreuliche Entwicklung ist der Rückgang der Zahlungsausfälle bei dem nicht garantierten Kartenverfahren mit Unterschrift. Lediglich 0,07 Prozent der Lastschriftumsätze mussten nach der repräsentativen Erhebung des EHI von den befragten Händlern als uneinbringlich abgeschrieben werden. „Im Rückblick war die Abschaffung der PoZ-Sperrdatei durch die deutsche Kreditwirtschaft ein Glücksfall“, kommentiert Horst Rüter, Kartenexperte des EHI.

Viele Händler, die weiterhin das kostengünstige Lastschriftverfahren nutzen, schalten heute Dienstleister zur Bonitätsprüfung ein. Deren Sperrdateien und Risikomanagementsysteme sind weitaus effizienter als es die PoZ-Abfrage bei den Banken je war, die lediglich gestohlen EC-Karten für den Zahlungsverkehr sperrte. „Das Lastschriftverfahren ist heute sicherer, als es zu PoZ-Zeiten war“, urteilt Rüter.

Zuverlässiger und wirtschaftlicher

Die Kartendienstleister bieten inzwischen allesamt ausgefeilte Schutzmechanismen an, um das ungarantierte Lastschriftverfahren gegen Zahlungsausfälle abzusichern (siehe auch Der Handel 12/07).

Für Handelsunternehmen sind Mischverfahren, die vom Kunden unbemerkt in Sekundenschnelle je nach Risikobewertung zwischen PIN- und Unterschriftsverfahren umschalten, in der Regel die wirtschaftlichste Variante der Kartenakzeptanz. Mit Hilfe von Bonitätsbewertungen und Limitsetzungen ist das ELV-Verfahren immer verlässlicher und damit wirtschaftlicher geworden.


Die Zukunft des Lastschriftverfahren (ELV) ist offen

Ob das vom deutschen Einzelhandel geschätzte Kartenverfahren mit Unterschrift allerdings im SEPA-Zeitalter noch eine Zukunft hat, war auch in diesem Jahr wieder eines der kontrovers diskutierten Themen auf dem Kölner EHI-Kongress. Die deutsche Lastschrift kennt in dieser Ausprägung und Verbreitung kein anderes europäisches Land.

Die derzeitigen Pläne für eine einheitliche europäische Lastschrift (Sepa Direct Debit) sehen auch daher zur Zeit umfangreiche Mandatierungen, Vorlaufzeiten und großzügige Rückrufsfristen vor, mit denen das ELV-Verfahren an der Ladentheke unpraktikabel würde. Dennoch ist sich die Mehrheit der Kartenexperten im Handel und bei den EC-Cash-Netzbetreiber sicher, dass es in Deutschland auch in zehn Jahren noch möglich sein wird, mit Karte und Unterschrift zu bezahlen.

Umdenken im Zentralen Kreditausschuss

Joachim Fontaine vom Bundesverband der deutschen Banken berichtete in Köln von Bemühungen der deutschen Kreditwirtschaft, eine eigenes SEPA-Datenformat zu etablieren, damit der deutsche Handel auch im Zeitalter der Girocard weiterhin Lastschriften aus den Debitkarten generieren kann.

Ankündigung, die zeigt, das im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) offenbar ein Umdenken stattgefunden hat und die deutschen Banken das „wilde Lastschriftverfahren“ weiter ermöglichen wollen. Noch in diesem Jahr sollen die neuen Händlerbedingungen für die EC-Cash-Akzeptanz kommen, kündigte Fontaine an.

Erfolgreicher Widerstand

Ein neuer Termin für die Einführung der so genannten integrierten Entgeldabrechnung, im Zuge derer die Bankgebühren unmittelbar von Kartenumsätzen einbehalten werden sollen, wird darin allerdings nicht enthalten sein. Der Widerstand des Handels und Netzbetreiber gegen diese kostenträchtige Vertragsänderung war also erfolgreich - bis auf Weiteres.

Dennoch bringt die Umstellung auf die Girocard, wie die vertraute EC-Karte nun offiziell im SEPA-Zeitalter heißt, für den Handel einige Hausaufgaben mit sich. So müssen etwa die so genannten Kassenschnittstellen auf ihre Kompatibilität mit den neuen technischen Standards für die Kartenterminals (TA 7.0) überprüft werden. „Wir Netzbetreiber haben in der Regel keinen Einblick in die Kommunikation zwischen Terminal und Kassensystem des Händlers“, erläutert Nicolas Adolph, Sprecher im Arbeitskreis der EC-Cash-Netzbetreiber im Gespräch mit Der Handel. „Wenn etwa der Belegausdruck bei einer Kartenzahlung über die Kasse erfolgt, sollte der Händler den Hersteller seines Kassensystems ansprechen, ob die aktuelle Lösung auch mit der TA 7.0 konform geht.“ Eine schriftliche Bestätigung durch den Kassensystemhersteller schafft hier Sicherheit.