Ob Versandhandel, Kaufhaus oder Fulfillment: Die zur Otto Group gehörige Baur Gruppe freut sich bei all ihren Handels- und Dienstleistungsaktivitäten über ein gutes Geschäftsjahr 2010/2011. 

Einer der ältesten Universalversender in Deutschland startet im Internetzeitalter durch: Die 1925 gegründete Baur Gruppe, die inzwischen zur Hamburger Otto Group gehört, freut sich über einen Umsatzanstieg von 23,3 Prozent im Geschäftsjahr 2010/2011, das am 28. Februar 2011 endete. Wie das Unternehmen aus dem oberfränkischen Altenkunstadt meldet, stieg der Außenumsatz der Gruppe von 493,6 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 608,9 Millionen Euro. Das Umsatzvolumen der "reinen" Handelsaktivitäten der Baur Gruppe – also ohne Finanz- und Dienstleistungsaktivitäten – stieg demnach um rund 22,3 Prozent auf 572,8 Millionen Euro.

"Das Umsatzwachstum resultiert aus positiven Geschäftsentwicklungen von nahezu allen Unternehmen der Gruppe", erläutert Marc Opelt, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Baur Gruppe. "Im Jahr 2006 haben wir eine Vision 2020 für die künftige Aufstellung der Baur Gruppe formuliert – diese verfolgen wir mit aller Konsequenz. Sie beinhaltet zum Beispiel den Ausbau des Vertriebskanals Internet und die Fokussierung auf die Sortimente Mode, Schuhe und Wohnen."

Baur Versand boomt

Besonders gut lief demnach die Kernmarke Baur Versand. Der auf die Sortimente Mode, Schuhe und Wohnen spezialisierte Versender habe im abgelaufenen Geschäftsjahr beispielsweise einen Möbelkonfigurator gestartet, mit dem Kunden Möbelstücke nach eigenen Vorstellungen gestalten und anfertigen lassen können.

Auch die Dienstleistungstochter Baur Fulfillment Solutions (BFS) habe sich "sehr positiv" entwickelt. Die Expansionskraft werde unter anderem durch zwei neue Service-Center-Standorte deutlich: Im Herbst 2010 wurde ein neues in Bayreuth eröffnet, im Mai 2011 ein Center in Neustadt bei Coburg.

Kaufhaus in Altenkunstadt

Das Kaufhaus "Kaufwelt Baur" in Altenkunstadt konnte demnach ebenfalls seine Umsätze steigern. Mit rund 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und rund 230 Mitarbeitern sei es das größte Mode- und Kaufhaus in Oberfranken. Der frühere "Katalog zum Anfassen" des Baur Versands führt heute ein eigenes Sortiment. Neu  im stationären Handel sind die Shops des Soundspezialisten Bose sowie der Möbelmarke Bretz.

Der zur Baur Gruppe gehörende Schuhversand "I’m walking" mit Sitz in Burgkunstadt konnte demnach den Gesamtumsatz ebenfalls "deutlich" steigern; der Internethandel sei um 60 Prozent gewachsen und mache nun 82 Prozent aller Bestellungen aus. Der Onlinehändler hat derzeit rund 10.000 Modelle von rund 200 Markenherstellern im Sortiment.

Gutes erstes Jahr für Mirapodo.de

Foto: Baur
Foto: Baur
Auch mit dem im März 2010 gestarteten Onlineshop des Berliner Tochterunternehmens Mirapodo.de sind die Oberfranken zufrieden. Die Schuhauswahl betrage mittlerweile mehr als 16.000 Modelle von 372 Markenherstellern. Wie Onlinekonkurrent Zalando, der im Fernsehen kräftig die Werbetrommel rührt, bietet Mirapodo einen kostenfreien Versand und 100 Tage Rückgaberecht an. "Umsatz und Kundenbestand haben sich im ersten Geschäftsjahr sehr positiv entwickelt", meldet Baur.

Einen "wahren Umsatzsprung" habe unterdessen die österreichische Tochter Unito verzeichnen können. Dieses führen die Handelsmanager sowohl auf die gute Entwicklung der Marken Universal und Otto Österreich als auch auf die nach der Arcandor-Insolvenz übernommenen und reaktivierten Marken Quelle Österreich, Quelle Schweiz und Ackermann (Schweiz) zurück.

Die Baur Gruppe

Als Beteiligung der Otto Group umfasst die Baur Gruppe zwölf Unternehmen mit Schwerpunkten auf Handel und handelsnahen Dienstleistungen. Am Ende des Geschäftsjahres 2010/2011 beschäftigte die Baur Gruppe insgesamt 4.518 Menschen, im Jahr zuvor waren es 3.899 Beschäftigte. In Österreich und in der Schweiz agiert die Gruppe über ihre Tochter Unito mit Marken wie Universal, Otto Österreich, Quelle Österreich, Quelle Schweiz und Ackermann. 

Das starke Wachstum fordert allerdings auch starke Investitionen. So wurden beispielsweise im Juni 2010 eine 22.500 Quadratmeter große Lagerfläche in Grub am Forst und im Januar 2011 eine 30.000 Quadratmeter große Lagerfläche in Sonnefeld in Betrieb genommen, die inzwischen auf 60.000 Quadratmeter verdoppelt wurde.

Auch am Stammsitz im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels hat die Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr kräftig investiert: So wurden am Standort Altenkunstadt rund vierzig Millionen Euro und am Standort Weismain rund sieben Millionen Euro in die Logistik investiert. Darüber hinaus investierte die Gruppe in Altenkunstadt rund 1,9 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen und rund 2,2 Millionen Euro in ein neues Druckzentrum.

"Im aktuellen Geschäftsjahr konsolidieren wir das Wachstum des vergangenen Jahres", lautet dementsprechend der Ausblick des Baur-Chefs Marc Opelt. "Aus diesem Grund prognostiziere ich für das kommende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Bereich."