Euronics hat 2008 ein beachtliches Umsatzplus erzielt. Die Verbundgruppe fühlt sich mit ihrem Qualitätskonzept bei Produkten und Personal bestätigt.

Es war Werner Winkelmann anzumerken, dass er es genoss, in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine solche Bilanz zu präsentieren. Winkelmann sprach von qualitätsbewussteren Konsumenten in Deutschland. "Davon hat unsere Verbundgruppe im vergangenen Jahr maßgeblich profitiert", sagte der Vorstandssprecher von Euronics an diesem Dienstag in Stuttgart.

Diese Konsumentenneigung drückt sich aus in einer Steigerung des Zentralumsatzes von Euronics um 7,4 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2007/2008 - diese Zahl beschreibt die Einkäufe der Händler mit der Verbundgruppe für Elektronikhändler.

Im Außenumsatz, der für das Geschäftsverhältnis Händler/ Verbraucher steht, erzielten die 1.869 Mitglieder 3,5 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch das Weihnachtsgeschäft fiel mit einer Steigerung von 6,7 Prozent gut aus. "Wir hatten ein erfolgreiches Jahr", jubelte Winkelmann.

Qualitätsfernseher statt Theater-Ticket

Der Euronics-Chef lieferte auch einen mutmaßlichen Grund für dieses gute Geschäftsergebnis: "Die Verbraucher gehen nicht mehr ins Theater, sondern kaufen sich einen Flachbild-Fernseher und machen es sich daheim gemütlich."

Wohl eher wird die Strategie von Euronics belohnt: Im Gegensatz zur Dauerrabattschlacht des Marktführers Media-Markt-Saturn (10,4 Milliarden Euro Außenumsatz), setzt die Nummer zwei am Markt mit Sitz in Ditzingen auf hochwertige Produkte.

"Das Preissegment ist von Media-Markt-Saturn prima belegt. Dort wollen wir sie nicht stören. Wir wollen uns vielmehr im Qualitätssegment eingraben", beschreibt Winkelmann die Unternehmensstrategie. Diese betrifft nicht nur das Sortiment, sondern auch das Marketing, die Mitarbeiterqualifizierung sowie die POS-Gestaltung.

Lücke zu Media Markt schließen

Auch international konnte Euronics im vergangenen Jahr zulegen. Der erwartete Außenumsatz liegt bei 13,8 Milliarden Euro (im Jahr 2006/2007 waren es 16,6 Milliarden Euro) - ein Plus von 8,7 Prozent.

6.268 Mitglieder gehören außerhalb Deutschlands zu Euronics. Zwar liegt die Gruppe auch im europäischen Bereich direkt hinter Marktführer Media-Markt-Saturn (Außenumsatz im Jahr 2007 bei 17,1 Milliarden Euro), Winkelmann sprach aber davon, "dass wir die Lücke etwas schließen können".

Die Außenumsätze der drei wichtigsten Einkaufsverbände (Euronics, Expert mit 9,6 Milliarden und Electronic Partner mit 4,6 Milliarden Euro) betragen in der Summe 27,9 Milliarden Euro. Die Differenz zu den drei größten Filialisten ist nicht mehr groß: Denn Media-Saturn, Dixons (9,6 Milliarden Euro) und Kesa (6,4 Milliarden Euro) liegen zusammen bei etwa 33,1 Milliarden Euro.

Fußball und Olympia treiben den Absatz

Consumer Electronics bleibt bei Euronics der Verkaufsschlager. Um 7,8 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro stieg hier 2007/2008 der Zentralumsatz. Innerhalb dieses Segments kletterte der Umsatz mit Unterhaltungselektronik um 12 Prozent auf 842 Millionen Euro. "Dank Fußball-Europameisterschaft und Olympia wurde das Geschäft mit Brauner Ware auch 2008 von LCD- und Plasmageräten getragen", sagte Winkelmann.

Der Euronics-Chef betonte, dass die Händler wegen des rasanten Preisverfalls bei TV-Geräten enorme Stückzahlen verkaufen mussten, um diesen Umsatz zu erreichen. LCD-Fernseher seien im Jahr 2008 um etwa 25 Prozent billiger geworden, Plasma-Geräte gar um rund 40 Prozent.

Für 2009 rechnet Winkelmann mit "leichter Kaufzurückhaltung". Daher habe Euronics seine Umsatzerwartung nach unten korrigiert. „Realistisch ist ein ausgeglichenes Ergebnis", sagte der Vorstandssprecher. „Das Geschäft wird sich nicht so blühend entwickeln wie in den vergangenen drei, vier Jahren."

Winkelmann übergibt an Kober

Fest steht aber, dass es in diesem Jahr innerhalb der Euronics-Führung Veränderungen geben wird. Aus Altersgründen wird Winkelmann (der in diesem Jahr 65 Jahre alt wird) seinen Posten als Vorstandssprecher zum 1. Oktober 2009 an den 41 Jahre alten Benedict Kober übergeben.

Mit ihm rückt auch der 44 Jahre alte Michael Niederführ in den Vorstand und wird dort die Finanzen verantworten. Winkelmann bleibt freilich der Verbundgruppe erhalten: Mindestens bis Juni 2010 wird er Euronics International als Präsident vorstehen.