Die Deutsche Umwelthilfe leitet ein Rechtsverfahren gegen Amazon ein. Der Onlinehändler komme seiner Pflicht zur Rücknahme von Elektrogeräten nicht nach.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) meldet, dass ihr mehrere Beschwerden von Verbrauchern gegen Amazon vorliegen: Der Onlinehändler habe sie bei dem Versuch defekte Elektrokleingeräte zurückzugeben, abgewiesen. Da aber seit dem 24. Juli 2016 in Deutschland eine Rücknahmeverpflichtung für den Handel gilt, wonach Händler  kostenlos und in zumutbarerer Entfernung kaputte Elektro- und Elektronikgeräte von Verbrauchern zurücknehmen müssen, geht die DUH nun juristisch gegen Amazon vor.

Verbraucher können Elektrokleingeräte mit einer Kantenlänge kleiner als 25 cm in haushaltsüblichen Mengen und kostenlos bei Händlern zurückgeben, die Elektrogeräte auf einer Fläche von mindestens 400 Quadratmetern verkaufen - bei Onlinehändlern gilt die Versand- und Lagerfläche. Die Rückgabe von Kleingeräten ist nicht an den Neukauf eines Gerätes gebunden und sie können auch bei Händlern abgegeben werden, bei denen sie nicht gekauft wurden.

Als klageberechtigte Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation hat die DUH ein Rechtsverfahren gegen den Handelskonzern eingeleitet und diesen am 2. August 2016 aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Dadurch solle sichergestellt werden, dass Amazon in Zukunft Verbrauchern die Rückgabe defekter Elektrogeräte gewährt.

"Amazon lässt Verbraucher mit Schrott allein"

"Amazon verweigert die Rücknahme und sachgerechte Entsorgung von Altgeräten und lässt so die Verbraucher mit dem Elektroschrott allein. Zur Ertragsmaximierung werden Umweltgesetze gebrochen, Verbraucher falsch informiert und rechtswidrig zurückgewiesen", kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Erste Tests der DUH hätten ergeben, dass Verbraucher von Amazon, aber auch von anderen Handelsunternehmen, falsch oder überhaupt nicht über die Rückgabemöglichkeiten von Elektrogeräten informiert und in vielen Fällen zurückgewiesen werden. Deshalb fordert die DUH das Umweltbundesamt zu eigenständigen Kontrollen zur Durchsetzung der Rücknahmepflichten von Elektroaltgeräten im Handel auf.

"Amazon hatte, wie alle anderen Handelsunternehmen, neun Monate Zeit sich auf die Rücknahme von Elektrogeräten vorzubereiten. Die DUH hat acht Wochen vor dem Start dieser Verpflichtung alle großen Händler für Elektrogeräte angeschrieben und auf die verbraucherfreundliche Ausgestaltung der Rücknahmepraxis hingewiesen. Es ist ein Skandal, dass der Handel die gesetzlichen Vorgaben nun nicht erfüllt", argumentiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

1,7 Millionen Tonnen Elektrogeräte

In Deutschland werden demzufolge jährlich etwa 1,7 Millionen Tonnen Elektrogeräte verkauft, jedoch nur 40 Prozent davon ordnungsgemäß gesammelt und der Weiterverwendung oder dem Recycling zugeführt. Um dieses Umweltproblem in den Griff zu bekommen hat die EU-Kommission im Rahmen der WEEE2-Richtlinie (EU-Richtlinie 2012/19/EU) die Handelsunternehmen verpflichtet, kostenfrei Altgeräte zurückzunehmen.

So soll sichergestellt werden, dass die hierin enthaltenen Schadstoffe umweltgerecht behandelt und wertvolle Rohstoffe recycelt werden. Die deutsche Bundesregierung habe auf Druck der Handelskonzerne diese EU-Richtlinie erst mit mehreren Jahren Verzögerung halbherzig umgesetzt, so die Umwelthilfe. Die DUH fordert alle Handelsunternehmen auf, den Kunden verbraucherfreundliche Rückgabemöglichkeiten für defekte Elektrogeräte anzubieten.

wim

Nützliche Tipps rund um das Thema hat der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland unter elektro-g.info zusammengestellt.

Das Verbraucherportal Testbericht hat bei 103 Onlineshops versucht, einen Toaster zurückzugeben. Die Ergebnisse finden Sie hier.