Bio, Luxus, Wellness - einst galt das Konzept der US-Supermarktkette Whole Foods als Vorbild für die Branche. Das ist erst einmal vorbei.

Whole-Foods-Supermärkte waren bislang die Tempel der Einkaufskultur in Amerika, mit einem Angebot, das Bio und Luxus vereint. Doch nun steckt das Unternehmen in einer tiefen Krise: Zwar stieg der Umsatz im zweiten Quartal 2008 um 22 Prozent auf 1,84 Milliarden Dollar, doch gleichzeitig fiel der Gewinn um 31 Prozent auf 33,9 Millionen Dollar.

„Wir stehen unter einem immensen Preisdruck und müssen gegen steigende Einkaufspreise ankämpfen", gibt Whole-Foods-Chef John Mackey zu.

Analysten sehen die Whole-Foods-Krise als überwiegend hausgemacht an: Ein verlustreiches Engagement in England, eine schlecht gemanagte Fusion mit Wild Oats, teure Experimente mit edlen In-Store-Restaurants und das Image eines überteuerten Luxus-Anbieters sind die Hauptursachen dafür.

„Die Firma muss dringend die Kosten in den Griff bekommen, die Märkte in überteuerten Luxus-Malls schließen und sorgfältiger bei der Flächennutzung vorgehen”, sagt Stephen Long vom New Yorker Hedgefond Hanover Square Capital. Ihn schmerzt der Niedergang von Whole Foods besonders, denn als Anteilseigner hat auch seine Fondsgesellschaft allein in diesem Jahr über 50 Prozent an den Aktien des Unternehmens verloren.

Anzeichen wurden verkannt

Die heutige Krise war jedoch vorhersehbar. „Das enorme Wachstumspotenzial im Bio-Bereich hat inzwischen sehr viel Konkurrenz angelockt, und einige davon sind weitaus größer und finanzstärker als wir”, sagte Unternehmenschef Mackey schon vor zwei Jahren New Yorker Analysten.

Damit meinte er vor allem die Megaketten Wal-Mart, Kroger und Fairway, die inzwischen alle auf die Bio-Welle aufgesprungen sind und die Produkte weitaus günstiger anbieten als Whole Foods.

„In Zeiten von steigenden Benzinpreisen und knappen Haushaltskassen weichen selbst Besserverdiener auf Anbieter wie Trader Joe's, ShopRite oder Fairway aus,” sagt Tim Hanson, Analyst bei Motley Fool.

Preisimage soll aufpoliert werden

Mackey will jetzt die Kette wieder profitabel machen, die durch das Luxus-Image bereits im Volksmund den Spitznamen „Whole Paycheck" (ganzer Gehaltsscheck) erhalten hat. Das Expansionstempo soll gedrosselt und Läden sollen verkleinert werden - vor allem dort, wo teure Fläche für die umsatzschwache Gastronomie genutzt wird.

Auch gegen das Preisimage wird professionell angegangen. In allen großen Märkten gibt es nun „Preisführungen”: Speziell trainiertes Personal führt Kunden durch den Markt und weist dabei auf besonders preisgünstige Angebote hin.

Es ist jedoch eine schwierige Mission. „Ich habe tatsächlich ein paar günstige Preise gesehen”, sagt eine ältere Dame am Ende einer Führung in einem Markt in New Jersey. Die Gruppe fängt an zu lachen.

Harald Weiss, New York