Während die Zahl von Privatinsolvenzen in diesem Jahr sank, nahmen die Unternehmenspleiten gegenüber dem Vorjahr leicht zu. Der Einzelhandel war davon überdurchschnittlich betroffen.

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2003 verzeichnen die Unternehmensinsolvenzen laut dem Verband der Vereine Creditreform wieder eine steigende Tendenz: Während im Gesamtjahr 2007 noch 29.150 Unternehmensinsolvenzen gezählt worden waren, sind es aktuell 650 mehr - das entspricht einem Anstieg von 2,2 Prozent (29.800).

Die Verbraucherinsolvenzen nehmen dagegen ab - zum ersten Mal überhaupt seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahre 1999. Wurden im vergangenen Jahr noch 105.300 Anträge auf Erteilung der Restschuldbefreiung bei den Insolvenzgerichten eingereicht, so sind es aktuell nur 98.500, was einem Rückgang von 6,5 Prozent entspricht.

Überdurchschnittlichen Anteil bei den Pleiten

Grafik: Creditreofm
Grafik: Creditreofm
Der Handel verzeichnet einen überdurchschnittlichen Anstieg bei den Insolvenzen um 4,1 Prozent auf insgesamt 6.340 betroffene Betriebe (Vorjahr: 6.090). Während der Einzelhandel einen Anstieg um 6,5 Prozent zu verkraften hat, sind es im Großhandel nur ein Prozent.

Trotzdem sind die Handelsunternehmen insgesamt leicht unterdurchschnittlich von Insolvenzen betroffen: Von 10.000 am Markt existierenden Handelsunternehmen gingen 2008 insgesamt 90 in die Insolvenz - über den gesamten Unternehmensbestand in Deutschland betrachtet sind es 96. Der Blick in die einzelnen Handelsbranchen offenbart jedoch große Unterschiede in Bezug auf die Insolvenzbetroffenheit.

Handelsbranchen sehr unterschiedlich betroffen

Grafik: Creditreform
Grafik: Creditreform
So gehören etwa Kioske mit einer Risikoquote von 472 zu den am meisten ausfallgefährdeten Handelsbranchen, gefolgt von dem sonstigen Einzelhandel an Verkaufsständen und Märkten (Insolvenzquote 466) und den Autowaschanlagen (385 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen).

Der Kfz-Handel muss einen Anstieg der Insolvenzen von 12 Prozent verkraften - 1.100 Betriebe mussten im Laufe des Jahres 2008 die Segel streichen. Experten machen für die Misere nicht allein die Finanzkrise verantwortlich, schuld seien mehrere Gründe - allen voran Überkapazitäten bei den Herstellern. Die meisten namhaften Unternehmen produzieren mehr als der Markt verkraften könne. So stapeln sich auf den Höfen der Händler junge Gebrauchte mit niedrigen Kilometerlaufleistungen, etwa Rückläufer aus dem Leasing oder Flottengeschäft - und in den Verkaufsräumen bleiben die Neuwagen stehen.

Außerdem kommen vielen Autohändlern heute ihre neu errichteten Glaspaläste und aufwändigen Showrooms teuer zu stehen, für die sich nicht wenige Unternehmer stark verschuldet haben. Hinzu kommt, dass die Eigenkapitaldecke beim Gros der Betriebe im Schnitt zwischen 10 und 15 Prozent liegt - und damit deutlich zu niedrig ist, so die Experten von der Auskunftei Creditreform.

Gesamtschaden für die Volkswirtschaft rund 30 Milliarden Euro

Grafik: Creditreform
Grafik: Creditreform
Mehr als die Hälfte aller Insolvenzen kommt aus der Dienstleistungsbranche. Die Schadenssumme, die im Jahr 2008 der Wirtschaft durch Unternehmensinsolvenzen entstanden ist, beläuft sich nach Creditreform Recherchen auf 29 Milliarden Euro und liegt damit etwas unter dem Niveau vom vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Eine Verbraucherinsolvenz verursacht im Durchschnitt einen Schaden in Höhe von 36.800 Euro - auf das Jahr hochgerechnet wären das 3,6 Milliarden Euro.

Die ausführliche Analyse der Creditreform zu den Insolvenzen und Neugründungen finden Sie