Glaubt man einem aktuellen Report, dann landen 43 Prozent des Umsatzvolumens im E-Commerce in den USA bei Amazon. Kleine Händler stehen da immer mehr unter Druck. Doch wenn sich gerade kleine Händler durch die Mühen der Automatisierung ackern, um ihre Sortimente und Prozesse zu optimieren und auch mal nach links und rechts schauen, schaffen sie sich neue - und ergiebige - Freiräume.


Die einfachsten Aufgaben sollten Händler vorrangig von Automaten erledigen lassen.

Es gibt immer noch Händler, die die Willkommens-Mail an einen neuen Kunden von der Sekretärin erledigen lassen. Dabei erledigen das sogar kostenlose Programme heutzutage extrem flexibel und zuverlässig. Für kleinere Unternehmen mit wenig Versandvolumen ist Mailchimp als Newsletter-Tool und Autoresponder häufig erste Wahl. Die Funktion für die Automatisierung ist allerdings ein Bezahlfeature. Die Preise sind nach der Anzahl der Newsletterempfänger gestaffelt. Für den Einsatz von Mailchimp spricht die sehr einfache Bedienung.

Wiederkehrende Aufgaben mit Software automatisieren

Gerade kleine Händler sollten ohnehin zunächst prüfen, welche sich wiederholenden Aufgaben mit Software leicht automatisiert werden können. Dinge wie Berichterstellung, E-Mail-Marketing oder auch Repricing können leicht von Technologien gelöst werden. Erst kürzlich hat beispielsweise IBM mit dem cloudbasierten IBM Dynamic Pricing Tool eine Software bereitgestellt, mit der Händler Preisanpassungen in Echtzeit vornehmen können. Software-Anbieter, die die Produktpreise von Konkurrenten überwachen, gibt es Serie. Standardmäßig sollte man darauf achten, dass die Aufpasser-Software die Preisinformationen zwar automatisch per E-Mail mittteilt, dies Preise aber nicht immer automatisch ändert oder nur Änderungen bis zu einer gewissen Grenze erlaubt. Sonst kann es böse Überraschungen geben.

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Selbst wenn es gilt, nur ein kleines Sortiment und wenige Produkte zu überwachen, schaffen solche Tools zeitlichen Freiraum für andere Tätigkeiten. Allein über den Preis aber können gerade kleine Händler auf Dauer gegen Amazon nur verlieren.

Sortiment anpassen

Wo Händler dagegen gewinnen können: Wenn sie prüfen, wo sich ihr Sortiment mit Amazon überlappt und wo sie ein eigenständiges Produktprofil besitzen und diese Produkte dann fokussiert anbieten. Dieser Freiraum schafft Preisflexibilität und kann helfen zusätzliche Onlinekunden zu erreichen, beispielsweise indem man diese Produkte in der Kommunikation mit dem Kunden (Mailing) besonders hervorhebt.
Inventur-Vergleiche kann man übrigens auch mit dem Produktangebot der Wettbewerber machen. Diverse Programme helfen dabei.  

Eigenmarken aus China und anderswo

Eine andere Option sind natürlich Eigenmarken. In Zeiten des grenzüberschreitenden Handels ist es schließlich kein Problem mehr, Waren in China einzukaufen und von einem Hersteller noch dazu mit einem ganz eigenen Logo produzieren zu lassen. Erste Anlaufstelle für eigene Gehversuche in kleinem Rahmen: Alibaba.

Bei einem ernsthaften Einstieg muss man sich aber auch vor Ort informieren und sich mit Themen wie dem Markenrecht auseinandersetzen.  Man sollte sich also nicht auf eigene Faust in den Flieger setzen, sondern vorher Experten-Rat einholen, zum Beispiel von der IHK.  

Inzwischen gehören Eigenmarken in den unterschiedlichsten Segmenten längst zum guten Ton: Das Musikhaus Thomann, das als Mittelständler aus einer Reihe von Gründen alljährlich auch mit seinem Online-Shop weit vor Amazon einen Spitzenplatz in Kundenrankings einnimmt, führt beispielsweise mehr als ein Dutzend Eigenmarken. In großem Stil lässt unter anderem Online-Discounter Lesara in China fertigen, hat dort auch eine Niederlassung.

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Der Excel-Liste Goodbye sagen

Kleinkram kostet Zeit. Das gilt auch bei Rechnungen. Auch für stationäre Händler, die nur überschaubare Mengen in ihrem Onlineshop verkaufen. Hier lohnt es sich gleichwohl zu prüfen, ob die bestehende Buchhaltungslösung vielleicht auch eine automatische Synchronisierung von Bestellungen und Rechnungen für den Webshop anbietet oder ob man das System erweitern kann. Mit Excel-Listen kommen Händler hier nämlich nicht allzu weit, wenn im Jahr einige hundert Bestellungen auflaufen. Brauchbare Buchhaltungsprogramme gibt es kostenlos oder schon für unter 100 Euro sowie auch gegen eine monatliche Nutzungsgebühr.



Das gewisse Etwas bieten

Die gesparte Zeit brauchen Händler nämlich auch. Um sich kreative Lösungen auszudenken, die dem Kunden einen Mehrwert liefern, den er bei Amazon so nicht bekommt. Wenn Amazon Schuhputzcreme verkauft, dann kann man da preislich kaum mithalten. Aber man kann Stammkunden oder gerade auch Neukunden halten, wenn man seine Pakete mit kleinen Goodies, beispielsweise Pflegefibeln, aufwertet.

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Automatisierung spart Zeit, die Händler auch dafür verwenden können, um auf der eigenen Website bessere Inhalte zu bieten. Grundsätzlich ist es dabei lohnend, sich die Standards für Produktinformationen bei Amazon auch für den eigenen Auftritt zu Herzen zu nehmen,  dann aber die Informationen und Herstellerangaben mit einer persönlichen Note aufzuwerten. Auch Apple liefert gute Anregungen für die Gestaltung von Top-Texten im Web.

Schnittstellen zu Marktplätzen

Händler, die auf externen Marktplätzen verkaufen wollen, sollten sich von Beginn an mit Software beschäftigen, die die eigene Warenwirtschaft per Schnittstellen-Software mit dem Online-Marktplatz verbindet, eine beschleunigte Einstellung der Produkte ermöglicht und die Warenbestände (On- und Offline) automatisiert abgleicht. Entsprechende Software kann man je nach Anbieter kaufen, mieten oder über Performance-basierte Modelle bezahlen.



Google-Hausaufgaben machen

Ganz elementar gerade für kleine Händler ist eine ordentliche SEO-Optimierung. Die Tipps für Einsteiger dazu sind Legion. Die Tools dafür auch. Manche SEO-Tipps, gerade auch im Bereich Local SEO für lokale Händler, lassen sich auch mit wenig IT-Wissen umsetzen, wenn man nicht bereits eine SEO-optimierte Shop-Software einsetzt, die viele Standard-Arbeiten abnimmt. Sinnvoll ist es aber, einen Experten auf den Webauftritt schauen zu lassen, der Standards überprüft und Verbesserungsvorschläge macht.  Dafür sollten sie je nach Beratungspaket eine niedrige vierstellige Summe einplanen.

Erst dann lohnt sich auch der Einsatz von Adwords. Einsteigern empfiehlt Britta Kristin Böhle, SEO-Expertin bei Trusted Shops, dabei beispielsweise AdWords Express. Die kleine Schwester von AdWords richtet sich an alle, die den Aufwand für bezahlte Einträge etwas geringer halten möchten. Hier erleichtern einige Automatismen die Einrichtung. Als Vorarbeit müssen nur eine Zielgruppe, ein kurzer Beschreibungstext und ein Budget bestimmt werden. Die Anzeigen erscheinen automatisch, wenn jemand in Ihrer Region sucht oder diese als Suchbegriff verwendet.

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Die wichtigste Regel aber lautet: Denken Sie nicht über Amazon nach, denken Sie über ihren Kunden nach.



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