SecurLog fliegt aus dem Branchenverband BDGW. Schuld daran sind die Lohnsenkungen, denen Ver.di zugestimmt hat. Die anstehenden Tarifverhandlungen der Branche werden wohl entsprechend turbulent.

Nach dem Abschluss eines Haustarifvertrages zwischen der Gewerkschaft ver.di und der SecurLog GmbH ist der deutsche Marktführer für Geldtransporte aus seinem Branchenverband geworfen worden.

„Hieran ändert auch der untaugliche Versuch der Firma SecurLog nichts, dem Ausschlussbeschluss mit einer außerordentlichen Eigenkündigung zuvorzukommen“, meldet der Vorstand der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW) heute.

Dienstag hatte der Hauptgeschäftsführer der BDGW, Dr. Harald Olschok, den Ausschluss bedauert, sah aber „im Interesse aller übrigen 42 ordentlichen Mitgliedsunternehmen keine andere Möglichkeit“.

Massive Lohnsenkung schadet anderen Unternehmen

Als Grund für den rigiden Schritt des Ausschlusses nannte der Verband ausdrücklich den Haustarifvertrages der von der Gewerkschaft ver.di und SecurLog abgeschlossen wurde: Die Geschäftsführung von SecurLog hatte von den Beschäftigten und der Gewerkschaft massive Absenkungen beim Lohn und anderen tariflichen Regelungen abgerungen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden.

Der Bundesvorstand von ver.di hatte dem Tarifvertrag nach einem langwierigen und intern offenbar heftig umstrittenen Abstimmungsprozess mit einer Laufzeit vom 1. September 2009 bis zum 31. Dezember 2012 zugestimmt. Damit könne die Firma SecurLog die Tarifverträge, die die BDGW mit den Landesbezirken von ver.di abgeschlossen hat, unterlaufen, ärgert sich der BDGW in einer Pressemitteilung: Nun seien dort Kürzungen der Löhne bis zu 9 Prozent, Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 172 auf 178 Stunden sowie die Senkung des Urlaubs und Streichung von zwei Urlaubstagen möglich.

"SecurLog hat Einsparungen von 10 Prozent"

„SecurLog hat damit gegenüber den übrigen Verbands- und an die Flächentarifverträge gebundenen Unternehmen tarifliche Einsparungen von bis zu 10 Prozent“, kritisiert Olschok. Zwar äußert er noch Verständnis für die Vorgehensweise der Geschäftsführung von SecurLog: „Wenn ein Unternehmen in den drei Jahren seines Bestehens Verluste in der Höhe eines Jahresumsatzes erzielt hat, muss die Geschäftsführung entsprechende Forderungen erheben“.

Völlig unverständlich sei aber, dass der ver.di Bundesvorstand diesen Forderungen nachgegeben hat: „Damit gefährdet ver.di Arbeitsplätze in den anderen Unternehmen und schadet letztlich allen Beschäftigten in den Geld- und Wertdiensten. Es droht eine Abwärtsspirale von Löhnen und Preisen und damit äußerst negative Konsequenzen auf die ohnehin schwierige Wettbewerbssituation der übrigen verbands- und damit auch tarifgebundenen Unternehmen.“

Ver.di auf gefährlichen Weg

Ver.di begibt sich nach Meinung des BDGW-Hauptgeschäftsführers auf einen äußerst gefährlichen Weg: Am 20. Oktober wollte der Verband erstmals mit ver.di Gespräche über einen bundesweiten Tarifvertrag aufnehmen, um über die Chancen eines bundesweiten Mindestlohn-Tarifvertrags im Rahmen des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes zu verhandeln.

„Das ist die einzige Möglichkeit, um tarifpolitisch das Arbeitsortprinzip und damit die Sicherung der Unternehmens- und Beschäftigtenstrukturen in Deutschland im Geld- und Wertbereich nach Eintritt der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit in 2011 festzulegen“, so Olschok. „Wenn am 1. Mai 2011 diese Arbeitnehmerfreizügigkeit realisiert wird und die Europäische Union künftig grenzüberschreitende Geldtransporte zulässt, können ausländische Anbieter legal ihre Dienste zu osteuropäischen Tarifen und Preisen anbieten.“