Das Gesundheitsministerium sieht den Versand von Medikamenten über das Internet als zukünftige Ergänzung zum klassischen Apothekengeschäft.

Wie der Online-Dienst der "Berliner Zeitung" heute berichtete, will Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) angesichts des Milliardendefizits der gesetzlichen Krankenkassen das in Deutschland bestehende Versandverbot für Arzneimittel abschaffen und damit den kostengünstigen Internethandel ermöglichen. Es sei keine Frage des Ob, sondern des Wie, sagte Schmidts Staatssekretär Klaus Theo Schröder der "Berliner Zeitung".

Voraussetzung für den Online-Verkauf von Medikamenten sei aber, dass die Arzneimittelsicherheit beim elektronischen Handel gewährleistet werde. Um die Sicherheit der Verbraucher zu garantieren, müsse gewährleistet sein, dass ausgebildete Apotheker zur Verfügung stünden, die am Telefon die Fragen der Patienten beantworten könnten. Somit lehnt das Ministerium reine Internet-Apotheken wie die in die niederländische Versandapotheke 0800DocMorris allerdings ab.

Das Versandhandelsverbot für Arzneimittel war 1998 eingeführt worden. Apotheker, die bisher eine Monopolstellung in der Medikamentenversorgung inne hatten, verfechten dieses Verbot weiterhin. Zuletzt hatte sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Mitte September auf ihrem Verbandstag mit Hinweis auf den Verbraucherschutz strikt gegen eine Aufhebung des Verbotes ausgesprochen. Dass den Apothekern aber nicht nur das Wohl der Patienten, sondern vor allem die eigene Kasse am Herzen liegt, hat nun auch das Bundesgesundheitsministerium dazu veranlasst, das Versandverbot zu überdenken.

Die Krankenkassen sind dagegen sehr an dem Internethandel interessiert. Aber auch hier spielen Kostengründe eine größere Rolle als der Patient. Die Kassen gehen davon aus, dass sie bis zu 1,5 Milliarden Mark einsparen könnten. Die Betriebskrankenkassen behaupten sogar, Deutschland habe das teuerste Vertriebssystem in Europa. Der Arzneimittelvertrieb über Großhandel und Apotheken habe einen Anteil von 40% an den gesamten Medikamentenkosten, während er in Schweden nur 25% und in Frankreich 30% betrage. Das Argument des Verbraucherschutzes weisen die Kassen mit der Begründung zurück, der Apotheker könne beim Internethandel seine Beratungs- und Kontrollfunktion ebenso gut erfüllen wie bei der Übergabe des Medikamentes in der stationären Apotheke. Neben einer Kostensenkung sehen die Kassen vor allem Vorteile für chronisch Kranke, die keine ständige Beratung in der Apotheke benötigen und bei Zulassung des Versandhandels die Arzneien bequem zu Hause empfangen könnten. Hier muss ergänzt werden, dass die chronisch Kranken seit jeher Stiefkinder der Krankenkassen sind, da sie durch ärztliche Betreuung und Pflege sowie einen hohen Medikamentenverbrauch "teurer" sind als andere Patienten.

In den USA würden bereits rund 13% aller Medikamente über das Internet vertrieben, meldet die BZ weiter. Dabei werden Preisnachlässe bis zu 30% gewährt. In Europa gibt es Internet-Apotheken nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in der Schweiz oder Großbritannien, dessen Gesundheitssystem ebenfalls kränkelt. (JR)