Das Konsumklima hat sich im Frühling weiter verbessert. Konjunktur- als auch die Einkommenserwartung legen deutlich zu. Nur die Anschaffungsneigung sinkt leicht.

Das Konsumklima in Deutschland wird freundlicher. Die Verbraucher bewerten sowohl die Konjunktur- als auch ihre persönliche Einkommensentwicklung besser als in den Vormonaten, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Wegen der hohen Energiepreise ging jedoch die Anschaffungsneigung leicht zurück.

"Aber alle Indikatoren liegen über dem Vorjahr", betonte der GfK-Vorstandsvorsitzende Klaus Wübbenhorst in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der Konsumklima-Wert für Mai legte auf 3,8 Zähler zu, nach revidiert 3,4 Punkten im Vormonat. Die Voraussetzungen stünden günstig, dass sich diese Entwicklung fortsetze, hieß es bei der GfK. Bereits im April war der Abwärtstrend zum Erliegen gekommen.

Aufschwung in Sicht

"Es gibt eine ganze Reihe von Meldungen und Indikatoren, die signalisieren, dass Deutschland auf dem Weg ist, die Krise überstanden zu haben", erläuterte Wübbenhorst. "Als Patient haben wir die Intensivstation inzwischen verlassen."

Zwar sei nach der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit kein Boom, sondern nur ein moderater Aufschwung in Sicht. Dennoch müsse der Staat die Wirtschaft bald wohl nicht mehr mit teuren Extra-Programmen ankurbeln. "Wenn der Aufschwung jetzt kommt, wird es nicht nötig sein, dass man weiter intensiv über kaufkraftfördernde Maßnahmen nachdenkt", sagte Wübbenhorst.

Die positiven Zeichen haben auch die Verbraucher erreicht. "Das wichtigste Signal ist der Arbeitsmarkt. Hier sind die Zahlen der möglichen Arbeitslosen mehrfach nach unten korrigiert worden", schilderte Wübbenhorst. Auch die Kurzarbeit sei stark zurückgegangen.

Anschaffungsneigung geht zurück

Die Beschäftigten hätten daher weniger Angst vor einem Jobverlust und beurteilten ihre eigene Lage positiver. "Psychologie ist die halbe Wirtschaft." Unter dem Eindruck des robusten Arbeitsmarktes schätzten die rund 2000 Befragten auch die Entwicklung ihrer persönlichen Finanzen positiv ein.

"Die jüngsten Tarifvereinbarungen in der wichtigen Metall- und Elektrobranche sowie im Chemiesektor haben "nur" einen moderaten Anstieg der Besoldung gebracht", urteilte Analyst Alexander Koch von der UniCredit Bank. "Aber offensichtlich hat sich das nicht auf die Einkommenserwartung der Verbraucher niedergeschlagen." Im Gegenteil: Der Indikator stieg kräftig auf den höchsten Wert seit Mai 2001.

Dennoch wollen die Verbraucher künftig weniger Geld ausgeben. "Die steigenden Energiepreise treiben die Inflation etwas an, und das ist immer schlecht für die Anschaffungsneigung", erläuterte Wübbenhorst. Zwar wirke sich derzeit der Blick auf die Tankstellentafel negativ auf das Kaufverhalten der Konsumenten aus, doch gebe es keine prinzipiellen Schwierigkeiten an der Preisfront.

Konsumlaune soll stabil bleiben

Wübbenhorst zeigte sich zuversichtlich, dass der Konsum in diesem Jahr stabil bleibt - er ist für rund 60 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

"Wenn der Konsum nicht rückläufig ist und wir einen anziehenden Export haben, haben wir gute Voraussetzungen dafür, dass das Wirtschaftswachstum positiv ist", sagte der GfK-Chef. Dann allerdings müsse die Politik auch überlegen, wie sie die verschuldeten öffentlichen Haushalte konsolidiere.

dpa