Zollfahnder haben Logistik-Standorte und Büroräume von Kaufland und Netto durchsucht. Es geht um den Verdacht der Unterschreitung von Mindestlöhnen für Zeitarbeiter.

Unter den durchsuchten Standorten sollen laut "Südwestrundfunk"ein Logistikzentrum von Kaufland in Möckmühl (Landkreis Heilbronn) sowie vier Netto-Standorte. Grund für die Razzien ist nach Informationen des Rundfunksenders der Verdacht, dass Kaufland und Netto Beschäftigte unter Mindestlohn bezahlen.

Der Zoll habe über 60 Objekte im ganzen Bundesgebiet durchsucht. Neben den Logistikzentren von Kaufland und Netto sind auch Partnerfirmen der beiden Discounter betroffen sowie Wohn- und Geschäftsräume von Managern.

Werksverträge im Visier

Angeblich praktizieren die Händler eine umstrittene Regelung, wonach mit den Beschäftigten keine Zeitarbeits-, sondern sogenannte Werkverträge abgeschlossen werden. Kritiker behaupten, dadurch sei es grundsätzlich möglich, den Mindestlohn zum Teil erheblich zu unterschreiten und Sozialbeiträge zu hinterziehen.

Kaufland weist einen entsprechenden Verdacht zurück. Auch Kaufland-Angestellte mit einem Werkvertrag erhielten den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 8,50 Euro samt Zuschlägen. Diese Regelung wurde im März 2011 eingeführt. 

Netto schreibt in einer Stellungnahme: "Das Hauptzollamt führt in Zusammenhang mit Dienstleistern regelmäßig unangemeldete Kontrollen vor Ort durch. Diese Kontrollen fanden heute bundesweit bei weiteren Firmen als auch an vier unserer Standorte statt."

"Grundsätzlich haben sich aus den Untersuchungen der Vergangenheit keine weiteren Ermittlungen ergeben. Zu den heutigen Untersuchungen liegen uns zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Erkenntnisse vor. Beanstandungen sind nicht bekannt."

Netto stand schon im September 2010 unter Verdacht, Dumpinglöhne zu zahlen. Damals stand die Zusammenarbeit mit dem Logistikunternehmen Headway in der Kritik.