Verdi bestreikt erneut Amazon, diesmal mit Symbolwert. Die Arbeit wird am Weltgesundheitstag niedergelegt. Diesen Termin hat die Gewerkschaft gewählt, um auf Probleme bei dem Versender hinzuweisen.

Mit Streiks an bundesweit sechs Standorten des Onlinehändlers Amazon hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag gegen die Arbeitsbedingungen in den Versandzentren des Unternehmens protestiert. Die Arbeitsniederlegung hat hohen Symbolwert, denn immer am 7. April ist der Weltgesundheitstag. Ein Verdi-Sprecher in Koblenz sagte, die Arbeit bei Amazon führe bei einigen Beschäftigten zu psychischen Erkrankungen. Mit mehr als 15 Prozent sei der Krankenstand ständig höher als in anderen Unternehmen der Branche.

"Hoher Druck, immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen, permanente Leistungskontrollen und Überwachung, eine schlechte Führungskultur, unzureichende Erholungszeiten und fehlende Hilfsmittel sind schlechte Arbeitsbedingungen, die häufig bei Amazon zu finden sind", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. 

Amazon verweist auf betriebliches Gesundheitsmanagement

Amazon wies die Vorwürfe zurück und erklärte, an allen Standorten gebe es "ein professionelles Gesundheitsmanagement". Beide Seiten machten unterschiedliche Angaben zur Beteiligung an den Arbeitsniederlegungen.

Der Koblenzer Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider sprach von einer "Super-Beteiligung" mit rund 200 Beschäftigten seit Beginn der Nachtschicht. Am Standort Koblenz sind insgesamt rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Amazon-Sprecherin sagte, die Beteiligung an den Aktionen sei "sehr gering" gewesen. An den sechs Standorten seien weniger als 850 Mitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt. Die Arbeitsniederlegung habe keine Auswirkungen auf die Einhaltung des Lieferversprechens für die Kunden.

Streikaktionen gab es am Donnerstag an den Amazon-Standorten Koblenz, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg und Werne (jeweils Nordhrein-Westfalen) sowie in Graben bei Augsburg. Amazon unterhält insgesamt neun Versandzentren in Deutschland.