Die Gewerkschaft Verdi stuft das Kaufangebot von Maurizio Borletti für die Karstadt-Warenhäuser als unseriös ein. Der italienische Unternehmer sei nicht so erfolgreich, wie er angibt.

"Herr Borletti hat gewusst, dass die Frist für das Bieterverfahren Ende Mai auslaufen wird", sagte eine Verdi-Sprecherin der "Berliner Zeitung". "Wäre ihm an einem ernsthaften Gebot gelegen, hätte er es abgeben können."

Verdi misstraue der Offerte Borlettis aus mehreren Gründen. Zum einen sei die Finanzierung fragwürdig. So sei es unwahrscheinlich, dass Borletti die angekündigten 100 Millionen Euro für den Kauf aufbringen könne: Seine Gruppe habe 2009 ein sattes Minus eingefahren, so die Gewerkschaftssprecherin.

Zum anderen fürchte Verdi, dass Borletti entgegen seiner Ankündigung die Warenhauskette nicht als Ganzes erhalten möchten, sondern lediglich Interesse an den Premium-Häusern habe. Weitere Filialen wolle der Unternehmer vermutlich an Kaufhof-Eigentümer Metro weiterreichen, mutmaßte die Verdi-Sprecherin.

Gewerkschaft warnt vor Karstadt-Liquidierung

Der italienische Geschäftsmann wirbt seit dem Wochenende für seinen Einstieg bei Karstadt - knapp zwei Monate, nachdem Privatinvestor Nicolas Berggruen den Kaufvertrag für die 120 Warenhäuser unterschrieben hat.

Der Vertrag ist allerdings an Bedingungen geknüpft, zu denen immer noch nicht alle Gläubiger des Karstadt-Hauptvermieters Highstreet ihre Zustimmung erteilt haben.

Die Verdi-Sprecherin warnte erneut davor, dass Karstadt liquidiert werden müsse, wenn der Deal mit Berggruen platze.

dpa

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