Nachdem Neckermannchef Koopmann Bedenken über die Zukunft des Versenders geäußert hatte, bekommt er nun Tadel von der Gewerkschaft. Laut Verdi gibt es Interessenten für das Unternehmen.

Zur Rettung des insolventen Versandhändlers Neckermann braucht es nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi vor allem Ruhe. Geschäftsführer Henning Koopmann agiere kontraproduktiv, wenn er das Ende des Unternehmens für den Herbst heraufbeschwöre, falls kein Investor gefunden werde, sagte der Frankfurter Gewerkschaftssekretär Wolfgang Thurner am Montag.

Es gebe Interessenten, die in ernsthaften Verhandlungen mit dem zuständigen Insolvenzverwalter Michael Frege stünden. Es sei gut, wenn man dazu nichts Konkretes höre. "Das bedeutet, dass was passiert."

Neckermann-Chef Koopmann hatte der "Wirtschaftswoche" gesagt, dass es der Versandhändler aus eigener Kraft nicht mehr schaffen könne. Die vorläufige Insolvenz habe dem Unternehmen aber nur kurzfristig geschadet.

Einzelne Hersteller liefern nicht mehr

Nach einem drastischen Rückgang der Bestellungen um bis zu 66 Prozent zu Beginn habe unter anderem die selbstironische Werbekampagne die Kunden beruhigt. Auf der Website hatte Neckermann Slogans gezeigt wie "Sie haben momentan kein Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt." Inzwischen lägen die Bestellungen nur noch rund 13 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Das Unternehmen bestätigte den Rückzug einzelner Vertriebspartner, die zuvor über die Neckermann-Plattform ihre Waren verkauft hatten. Aus Furcht vor Zahlungsausfällen haben sie Sortimente ganz herausgenommen oder ausgedünnt. Rund ein Fünftel des Umsatzes macht Neckermann.de über diese für den Kunden auf der Website nicht unmittelbar erkennbaren Vertriebspartnerschaften.

In dem schlingernden Frankfurter Traditionsunternehmen geht es um die Zukunft von 2400 Beschäftigten. Neckermann.de gehört dem US-Investor Sun Capital, der nach langfristigen Verlusten nicht mehr zu weiteren Zuschüssen bereit war. Insolvenzverwalter Frege äußerte sich nicht zum Fortgang des Verfahrens.