Verdi bestreikt Amazon unermüdlich, kommt aber kaum voran mit seinen Forderungen. Jetzt wird der Arbeitskampf der Gewerkschaft noch etwas schwerer. Die amerikanische Zentrale des Versenders ordnet derweil die Führungsstruktur.

Die Gewerkschaft Verdi darf nach einem Gerichtsurteil nicht mehr auf dem Betriebsgelände des Versenders Amazon in Pforzheim streiken. Das Arbeitsgericht Berlin entschied am Donnerstag, dass das Unternehmen nicht gehalten sei, einen gegen sich gerichteten Arbeitskampf so zu unterstützen. Verdi kann dagegen aber Berufung einlegen.

Zuvor war Amazon vor dem Arbeitsgericht Pforzheim und dem Landesarbeitsgericht Stuttgart mit dem Versuch gescheitert, die Streiks per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen. In der Hauptsache entschied ein Berliner Gericht, weil Verdi dort seinen Hauptsitz hat. (Az. 41 Ca 15029/15)

Ewiger Streit: Logistik oder Einzelhandel?

Verdi fordert für die Mitarbeiter einen Tarifvertrag, und zwar nach den Bedingungen des Einzelhandels. Amazon lehnt das ab. Der Versandriese orientiert sich an den niedrigeren Vorgaben der Logistikbranche, liegt dabei nach eigenen Angaben aber am oberen Ende der branchenüblichen Löhne. Seit 2013 kommt es deshalb immer wieder zu Streiks an den deutschen Amazon-Standorten.

In Pforzheim hatte Verdi zuletzt am 24. März zum Streik aufgerufen. An dem Standort arbeiten laut Verdi rund 700 Menschen. An anderen Standorten hatte die Gewerkschaft am 7. April, dem Weltgesundheitstag, zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Aufwertung der lukrativen Cloudsparte

Aus der Amazon-Zentrale in Seattle wurden derweil personelle Entscheidungen bekannt. Das US-amerikanische Unternehmen gibt zwei wichtigen Sparten-Verantwortlichen den Titel "Chief Executive Officer" (CEO), den üblicherweise nur Firmenchefs tragen. Die Beförderung für den Leiter der Cloud-Sparte AWS, Andy Jassy, und den Chef des Verbrauchergeschäfts Jeff Wilke sei "keine Reorganisation, sondern eher die Anerkennung der Rolle, die sie schon länger spielten", erklärte Amazon in einem kurzen Blogeintrag am Donnerstag.

Die Sparte AWS, die aus Amazons Technik-Abteilung entstand, stellt Speicher und Rechenressourcen für viele Startups und etablierte Unternehmen zur Verfügung. Sie soll dieses Jahr die Umsatzmarke von zehn Milliarden Dollar knacken und ist hochprofitabel. Damit ist sie eine Geldmaschine des Konzerns, während das Handelsgeschäft notorisch nur schmale Gewinnen abwirft.

Die Beförderung der beiden Manager könnte sowohl ein Zeichen für Pläne sein, den Sparten mehr Freiraum zu geben, als auch für Weichenstellungen für die Nachfolge für Gründer Jeff Bezos an der Konzernspitze. Er hatte bei einem Auftritt 2014 gesagt, Amazon habe eine geheime Nachfolgeplanung.