Leipzig, Bad Hersfeld - und neuerdings auch Seattle. Die Streiks bei und Protestaktionen gegen Amazon nehmen zu. Ein Ende sei mancherorts noch offen, heißt es bei der Gewerkschaft Verdi.

Die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon haben ihre Streiks an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld an diesem Dienstag fortgesetzt. Die Gewerkschaft Verdi rechnet in Leipzig mit einer Beteiligung von mindestens 500 Mitarbeitern, wie Streikleiter Thomas Schneider am Morgen sagte. Bis Freitag - vier Tage vor Heiligabend - wollen die Leipziger weiter die Arbeit niederlegen, um den Druck auf den Branchenriesen zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu erhöhen.

Im hessischen Bad Hersfeld soll die Aktion bis einschließlich Mittwoch fortgesetzt werden. Dann werde in einer neuen Streikversammlung entschieden, wie es ab Donnerstag weitergeht. "Bisher ist das noch offen", sagte Verdi-Sprecherin Mechthild Middeke.

Ziel des Ausstands ist ein Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Amazon lehnt dies ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche.

Amazon erwartet keine Komplikationen im Weihnachtsgeschäft

Zu Beginn der neuerlichen Streikaktionen am Montag hatte die Gewerkschaft eine Rekordbeteiligung von 1.800 Beschäftigten an den drei Standorten Leipzog, Bad Hersfeld und Graben bei Augsburg gemeldet.

Amazon sprach von 1.115 Streikenden und erklärte, dass es keinerlei Verzögerung bei der Zustellung gegeben habe. "Unsere Kunden können sich selbstverständlich weiterhin auf die rechtzeitige Zustellung ihrer Weihnachtsgeschenke verlassen", sagte eine Sprecherin.

Proteste in den Vereinigten Staaten

Verdi hat mittlerweile seinen Protest gegen Amazon sogar bis in die Vereinigten Staaten ausgedehnt. Am Montagvormittag (Ortszeit) demonstrierten in der Stadt Seattle, dem Hauptsitz des Onlinehändlers, Vertreter der deutschen Gewerkschaft gemeinsam mit amerikanischen Kollegen. Verdi ist Mitglied des internationalen Handels-Gewerkschaftsbundes UNI Global Union.

"Amazon muss akzeptieren, dass das Unternehmen nicht gewerkschaftsfeindliche Arbeitsmodelle nach Europa exportieren kann. Wir rufen das Unternehmen auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um einen weltweiten Vertrag abzuschließen, in dem Mitarbeiter überall dieselben Rechte garantiert werden", sagte UNI-Generalsekretär Philip Jennings per Mitteilung.