Die Gewerkschaft Verdi erhebt schwere Vorwürfe gegen die Metro-Tochter MediaMarkt. Der Elektrohändler habe die Bildung von Betriebsräten systematisch verhindert.

"Menschenrechte, Menschenwürde, Fairness - das sind abwesende Werte bei MediaMarkt", sagte Verdi-Handelschefin Margret Mönig-Raane heute auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Die Gewerkschaft wirft dem Elektrohändler die systematische Behinderung von Betriebsratsarbeit vor.

In rund 50 Fällen habe MediaMarkt bereits die Entstehung von Arbeitnehmervertretungen in den Filialen verhindert, klagt Verdi. Zudem herrsche im Unternehmen "Panik, wenn Arbeitnehmer ihre Rechte wahrnehmen möchten", so Mönig-Raane.

Lediglich an zwei der 236 Standorte in Deutschland gibt es aktuell Betriebsräte - in Rosenheim und in München, in der Filiale Euro-Industriepark. Dirk Nagel, im Bezirk München für MediaMarkt zuständig, sagte, dass hier jedoch fünf von 11 Betriebsratskandidaten das Unternehmen mittlerweile verlassen hätten.

Geheimes Treffen und abgeschaltete E-Mail-Konten

Laut einer eidesstattlichen Erklärung eines Mitarbeiters habe es ein Geheimtreffen der lokalen MediaMarkt-Chefs gegeben mit dem Ziel, Strategien gegen die Bildung von Betriebsräten zu vermitteln, so Verdi. Hierzu ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Nagel berichtete zudem von Schikanen gegenüber den Betriebsratskandidaten - bei einem sei das E-Mail-Konto abgeschaltet worden, andere hatten plötzlich nur begrenzt Zugang zum Intra- und Internet.

Mönig-Raane stellte klar, dass sich die Vorwürfe nicht gegen den Mutterkonzern Metro richten, es handele sich vielmehr um ein Problem von MediaMarkt. "Sie sind einfach ideologisch gegen Betriebsräte", klagte die Verdi-Vizechefin.

Die Funktionärin rief den Metro-Vorstand dazu auf, "diesen Spuk ein Ende zu bereiten": "Führungskräfte, die mit Lügen, Intrigen und Erpressung arbeiten, sollten nach Hause geschickt werden - oder in die Weiterbildung".

MediaMarkt dementiert Behinderung

Der Personalchef von MediaMarkt war für die Redaktion von derhandel.de nicht zu erreichen. MediaMarkt gab eine Pressemitteilung heraus, in der betont wird, das Unternehmen achte und respektiere die Mitarbeiterrechte - "selbstverständlich auch die Mitbestimmungsrechte". Die Gründung von Betriebsräten werde nicht verhindert.

An zwei Standorten in Norddeutschland laufen laut MediaMarkt derzeit Betriebsratswahlen ab, und zwar "völlig unspektakulär und konfliktfrei". Insgesamt gäbe es in der Media-Saturn-Gruppe rund 20 Betriebsräten, hieß es weiter.

Die meisten Betriebsräte sind laut Gewerkschaft jedoch bei Saturn entstanden. Dort sei die Abneigung gegen Arbeitnehmervertretungen nicht so groß wie beim Schwesterunternehmen, so Verdi.

Margret Mönig-Raane setzt nun auf die neue Geschäftsführung der Saturn-Media-Holding unter Horst Norberg, die erst seit wenigen Wochen im Amt ist. Sie hätten über informelle Kanäle Gesprächsbereitschaft signalisiert, so die Gewerkschafterin.

Marcelo Crescenti, Düsseldorf