Im Kampf um Geld vom Staat bekommt der Arcandor-Konzern Hilfe von der Gewerkschaft: Die Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane plädiert für staatliche Bürgschaften.

"Unabhängig davon, wie die Pläne für einen erfolgreichen Geschäftsfortgang bei Karstadt und Quelle aussehen , ist der Abschluss neuer Kreditverträge einschließlich staatlicher Bürgschaften in jedem Fall unverzichtbar", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane.

Darüber hinaus werde jedes Konzept daran gemessen, was es für die Weiterentwicklung und den Fortbestand der Arbeitsplätze in diesem und oder anderen Konzernen bedeute.

"Der Staat muss unter die Arme greifen

"Es geht um die Zukunft von 56.000 Arbeitsplätzen", unterstrich Mönig-Raane. Deshalb gingen in der kommenden Woche Arcandor-Beschäftigte für staatliche Bürgschaften auf die Straße , um ihren Forderungen an die Bundesregierung und insbesondere den Wirtschaftsminister Theodor zu Guttenberg (CSU) Nachdruck zu verleihen.
 
"Die aktuelle Zuspitzung der Situation bei Arcandor ist durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst worden. Daher muss der Staat dem Unternehmen jetzt auch entsprechend seinen eigenen Regularien unter die Arme greifen", forderte die Gewerkschafterin.

Dem hoch verschuldeten Arcandor-Konzern fehlen rund 900 Millonen Euro für die nächsten fünf Jahre. Arcandor will eine staatliche Bürgschaft von 650 Millionen Euro plus einen Kredit der Kreditanstalf für Wiederaufbau (Kfw) in Höhe von 200 Millionen Euro.

Die Anträge wurden bereits gestellt und liegen in Berlin vor. Beobachter schätzen, dass der Lenkungsausschuss bereits in der kommenden Woche beraten wird. Arcandor will darüber hinaus aber auch mit seinen Aktionären über eine Kapitalerhöhung und mit seinen Lieferanten und Vermietern über Zugeständnisse reden.

Verhandlungen über Warenhaus AG

Für Arcandor drängt die Zeit: Am 12. Juni werden Kredite über 650 Millionen Euro fällig und ohne Bürgschaften wollen die Banken diese nicht verlängern. Am Donnerstag hatten sich der Arcandor-Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick und Metro-Chef Eckhard Cordes zum Gespräch getroffen.

Dabei hatten sich beide Seiten darauf verständigt, dass die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG durch das Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt grundsätzlich ein vernünftiger Weg für die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland sein kann. Ein weiteres Gespräch soll in Kürze folgen.

Die Metro will nach Einschätzung von Beobachtern die missliche Lage des Essener Rivalen für ihre eigenen Pläne einer Deutschen Warenhaus AG nutzen und den Konkurrenten ausschalten. Es geht um 121 Karstadt-Häuser, zumeist in den besten Lagen der Innenstädte. Die Immobilien selbst gehören Karstadt allerdings schon lange nicht mehr.