Verdi fordert Transparenz von Schlecker bei der Restrukturierung des Unternehmens. Schlecker fordert Opfer der Belegschaft. Klarheit darüber sollen Gespräche mit der Gewerkschaft bringen.

Die Mitteilung ist kurz und lässt viele Fragen offen: "Um in der laufenden Restrukturierung möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und sichern zu können, braucht das Unternehmen auch einen aktiven Beitrag der Belegschaft", teilte Schlecker an diesem Montag mit.

Der Drogeriediscounter möchte die Arbeitnehmer stärker einbinden bei dem Großvorhaben, das angeschlagene Unternehmen aufzupäppeln. Nur wie, das wird nicht erklärt. Ein Schlecker-Sprecher sagt auf Anfrage von derhandel.de, das man diesen Punkt erst noch mit Verdi diskutieren wolle.

Viele Fragen, keine Antworten

Kein Wunder, dass man sich auch bei der Gewerkschaft ratlos gibt, was mit "aktivem Beitrag der Belegschaft" gemeint ist. Sanierungstarifvertrag? Entlassungen? Gehaltskürzungen?

"Wir können noch nicht viel sagen", bedauert Verdi-Sprecher Christoph Schmitz gegenüber derhandel.de Doch er macht schon einmal deutlich, dass vertraglich zugesicherte Leistungen für die Mitarbeiter nicht angetastet werden dürfen.

Dass es dem Unternehmen schlecht geht, ist kein Geheimnis. "Schlecker fährt auf Reserve", schrieb dieser Tage die "Lebensmittel Zeitung". Verdi störte sich dabei an der undurchsichtigen Vorgehensweise bei Filialschließungen. Deswegen war Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger vorigen Mittwoch am Schlecker-Sitz in Ehingen und hat wohl deutliche Worte gefunden.

Arbeitsplatzsicherheit wird nicht garantiert

Die Gewerkschaft will möglichst viele Arbeitsplätze retten. Hierfür werde es möglicherweise eine Tarifvereinbarung geben, teilte Verdi am Montag mit. Allein bis Ende des Jahres macht Schlecker deutschlandweit rund 800 Filialen zu - bislang ohne Entlassungen.

Am Wochenende hatte die "Welt am Sonntag" Juniorchef Lars Schlecker mit den Worten zitiert: "Bisher haben wir keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Wir können aber nicht garantieren, dass das im nächsten Jahr so bleibt."

Noch bis Juli 2012 gilt bei Schlecker ein Vertrag zur Beschäftigungssicherung. Die Gewerkschaft will zunächst von einem Wirtschaftsprüfer die wirtschaftliche Lage von Schlecker durchleuchten lassen. "Uns geht es in jedem Fall um die Zukunft der Beschäftigten", betonte Nutzenberger, Verdi-Bereichsleiterin für den Handel.

"Eine planbare Perspektive für die Beschäftigten hat für uns oberste Priorität", sagte Nutzenberger, "darum werden wir gemeinsam mit den Betriebsräten und Beschäftigten diskutieren und gegebenenfalls eigene Vorschläge und Konzepte einbringen, die zu einer zukunftsfähigen Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen."

Über Nacht geschlossen

Nach Angaben eines Schlecker-Sprechers sollen auch im ersten Quartal 2012 noch Läden geschlossen werden. "Wir haben aber auch alte Filialen umgebaut und neue eröffnet", sagte er. Bislang werden Mitarbeiter nach Schließungen als Springer in anderen Filialen eingesetzt oder befristete Verträge nicht verlängert.

Verdi kritisiert , dass Filialen zum Teil über Nacht geschlossen und die Mitarbeiter viel zu spät informiert würden. "Uns wurde zugesagt, dass das künftig vermieden wird", sagte Gewerkschaftssprecher Schmitz.

Beide Seiten wollen sich im Januar zu weiteren Gesprächen treffen. Derzeit hat Schlecker bundesweit rund 7.000 Filialen und laut Verdi 30.000 Beschäftigte. Schlecker selbst nennt aktuell keine Zahlen.

Der bisherige Marktführer hat in den vergangenen Jahren rote Zahlen geschrieben und strebt mit dem neuen Konzept ab 2012 eine Rückkehr in die Gewinnzone an - vor allem dank attraktiverer Filialen, von denen bislang rund 300 fertiggestellt wurden. Der Umsatz lag 2010 bei rund 6,55 Milliarden Euro.