Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das finanzielle Engagement des Karstadt-Investors Berggruen. In einer ZDF-Sendung äußerte Gewerkschafter und Karstadt-Aufsichtsratsmitglied Rösch Zweifel, ob genug Geld für den Umbau der Warenhauskette da ist.

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das unzureichende finanzielle Engagement des Investors in die Warenhauskette. In der TV-Dokumentation "Mister Karstadt - Der rätselhafte Nicolas Berggruen", die in der Reihe "ZDFzoom" am morgigen Mittwoch um 22.45 Uhr ausgestrahlt wird, beklagt Johann Rösch von der Gewerkschaft ver.di und Mitglied des Karstadt-Aufsichtsrats, das Berggruen nach seinen Informationen bis auf den symbolischen Kaufpreis von einem Euro bislang noch kein eigenes Geld in Karstadt investiert habe.
 
"Weitere Zahlungen sind bisher nicht erfolgt, und Karstadt braucht in den nächsten Jahren viel Geld, um die Häuser zu renovieren", so der Gewerkschafter. "Ich habe erhebliche Zweifel, ob das aus dem operativen Geschäft zu finanzieren ist. Herr Berggruen muss aus meiner Sicht endlich auch diesen Beitrag, den er bisher nicht geleistet hat, in das Unternehmen stecken, um Karstadt auf Dauer zukunftsfähig zu machen."

"Ganz normaler Investor"

In dem ZDF-Film äußert das Aufsichtsratmitglied Rösch erstmals öffentlich Zweifel an Berggruens Beteuerungen, sich langfristig für Karstadt zu engagieren und den Beschäftigten keine weiteren Einschnitte zuzumuten. "Das, was wir zur Zeit erleben, ist das Verhalten eines ganz normalen Investors, und ich kann nicht erkennen, dass die soziale Komponente, mit der er angetreten ist, in dieser Phase überhaupt noch spürbar ist."

Die Gewerkschaft schließt das auch aus den jüngsten Entwicklungen bei Karstadt: aus der Schließung der Elektronikabteilungen, von der zirka 1.000 Mitarbeiter betroffen wären, sowie der Auslagerung der Gastronomie. Die zirka 1.400 Beschäftigten dieser Sparte würden zukünftig jährlich mehr als 2.000 Euro weniger verdienen. Dies sei aktive Tarifflucht und in Anbetracht des bisher von den Beschäftigten geleisteten Verzichts ein Skandal, so Aufsichtsratsmitglied und Gewerkschafter Johann Rösch.

Für die "ZDFzoom"-Dokumentation haben die Autoren Lutz Ackermann und Christian Esser den Karstadt-Eigentümer und Milliardär Nicolas Berggruen über ein Jahr lang immer wieder getroffen und begleitet. Sie haben mit Weggefährten und Mitarbeitern gesprochen, hinter die Kulissen des Berggruen-Kosmos geschaut und sind der Frage nachgegangen, ob es den "guten" Investor überhaupt geben kann.