Verdi hat quasi zum Dauerstreik bei Amazon aufgerufen. Ob der Arbeitskampf Wirkungen zeigt, ist freilich unklar, denn der Onlinehändler beklagt keine Auslieferungsschwierigkeiten.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lässt in der Auseinandersetzung mit dem Online-Versandhändler Amazon nicht locker. Mitten im Weihnachtsgeschäft haben Beschäftigte der Logistikzentren in Bad Hersfeld und Leipzig am Mittwoch den dritten Tag in Folge gestreikt. In Hessen sollte die Aktion eigentlich nur bis Mittwoch andauern.

Bei einer Streikversammlung sei beschlossen worden, den Ausstand analog Leipzig bis einschließlich Samstag zu verlängern, sagte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Nach Verdi-Angaben haben an beiden Standorten zusammen 1.100 Mitarbeiter gestreikt. Laut Amazon haben in Leipzig und Bad Hersfeld weniger als 820 Mitarbeiter an den Arbeitsniederlegungen teilgenommen.

Protest vor dem Rathaus in Bad Hersfeld

In beiden Städten trugen die Streikenden ihre Forderungen nach einem Tarifvertrag in die Innenstädte. In Bad Hersfeld demonstrierten sie vor dem Rathaus. In Leipzig kamen drei polnische Gewerkschafter zu den Streikenden. "Wir haben den Schulterschluss bekräftigt, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen und gemeinsam für gute Arbeit kämpfen wollen", sagte Verdi-Streikleiter Thomas Schneider. Der US-amerikanische Versandhändler will auch in Polen und Tschechien Logistikzentren aufbauen. Am Montag hatten deutsche und amerikanische Gewerkschafter gemeinsam vor der Amazon-Zentrale in Seattle protestiert.

Bei einer Kundgebung auf dem Leipziger Universitäts-Campus trafen sich die Beschäftigten mit Studenten. "Die Amazon-Streikenden gehen zu ihren Kunden und erklären ihnen, warum sie streiken", sagte Schneider.

"Wir sind völlig in der Quote", heißt es von Amazon

Amazon versicherte erneut, dass der Ausstand in Bad Hersfeld und Leipzig keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb hat. "Wir sind völlig in der Quote", sagte ein Sprecher. Middeke sagte dagegen, arbeitende Kollegen hätten von Schwierigkeiten im Packbereich berichtet.

Mit den Streiks will Verdi Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen. Die Gewerkschaft fordert für die Mitarbeiter einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Amazon orientiert sich indessen an den für das Unternehmen günstigeren Konditionen der Logistikbranche. Die Aufnahme von Tarifverhandlungen hat das Unternehmen bisher strikt abgelehnt.
Bei Amazon arbeiten bundesweit rund 9.000 Mitarbeiter in acht Versandzentren, unterstützt werden sie von 14.000 saisonalen Aushilfen.