Mit leeren Regalen wird es schwer, Schlecker zu retten. So lautet das Argument von Verdi. Die beklagten Lieferengpässe der Gewerkschaft relativiert der Insolvenzverwalter - und die Praxis sieht gar ganz anders aus.

In die Auseinandersetzung Verdi und Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ist neue Dynamik gekommen. Die Gewerkschaft will zwar einen Sanierungsbeitrag zur Schlecker-Gesundung unterstützen, verlangt aber mehr Informationen zur Lage und Zukunft der insolventen Drogerie-Kette. Zugleich kritisierte Verdi Lieferengpässe in Filialen. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz müsse sofort handeln.

Geiwitz lobt "hochtransparenten Prozess"

Geiwitz reagierte nach Angaben seines Sprechers mit völligem Unverständnis auf den Vorwurf mangelnder Transparenz. "In den beiden zentralen Gremien dieses Insolvenzverfahrens, dem Gläubiger- und dem Lenkungsausschuss ist Verdi vertreten. Noch intensiver kann man nicht eingebunden sein", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Gespräche mit der Gewerkschaft fänden auch an diesem Dienstag statt, Geiwitz gestalte diese "als hochtransparenten Prozess", sagte der Sprecher weiter.

Nur 70 Prozent Auslieferungsquote?

Nach Informationen der Gewerkschaft liegt die Auslieferungsquote von Waren in Schlecker-Filialen zum Teil unter 70 Prozent. Verdi beruft sich dabei auf Aussagen von Schlecker-Beschäftigten, wie eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage sagte. "Offensichtlich fehlen Waren, die Belieferung läuft nicht optimal." Doch von vollen Regalen hingen auch die Umsätze ab, die wiederum die Arbeitsplätze sicherten.

 Aktuelle Lieferengpässe bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters indes nicht. "Die Auslieferungsquote liegt aktuell bei 80 Prozent." Das sei in einem Insolvenzfall "absolut in Ordnung". Der Sprecher räumte aber ein, dass die Quote in den vergangenen Wochen durchgehend gestiegen sei.

"Regale sind brechend voll"

Es gibt aber auch Regionen, in denen sich die Lage anders darstellt. So berichtet eine ehemalige Filialleiterin aus Südhessen im Gespräch mit derhandel.de, dass im Bezirk Darmstadt die "Regale brechend voll sind". Die Auslieferung funktioniere laut Auskunft vieler Mitarbeiterinnen so gut wie schon lange nicht mehr.

Damit hätte sich zumindest in diesem Bezirk die Lage im Vergleich zum Zeitraum von Mitte Februar bis Mitte März deutlich verbessert. Damals hätten die Läden unter einer Auslieferungsquote von gerade einmal 50 Prozent gelitten. Das Personal habe die restliche Ware in den Regalen so gut wie möglich verteilt, um den Leerstand nicht offenkundig werden zu lassen.