Alle Kraft den Filialen - gerne gefordert, selten erreicht: Eine Stärkung der einzelnen Karstadt-Filialen. Verdi erneuert nun diese Idee als Beitrag zur Zukunftssicherung des Unternehmens.

Es ist ein Evergreen bei der Neuausrichtung von Karstadt: Die Stärkung der Häuser vor Ort. Passiert ist freilich nicht viel. Schon der Interimschef Thomas Fox sprach im Interview mit Der Handel im Jahr 2010 davon. "Wir werden beim Wareneinkauf die Erfahrungen der Kollegen stärker berücksichtigen. In dieser Hinsicht war Karstadt früher nicht flexibel. Am zentralen Wareneinkauf halten wir aber fest," sagte er damals. Auch die vor wenigen Tagen als Geschäftsführerin zurückgetretene Schwedin Eva-Lotta Sjöstedt wollte die Filialen stärker den lokalen Gegebenheiten anpassen.

Und nun erneuert die Gewerkschaft Verdi diese Forderung. "Jeder Standort muss die Möglichkeit bekommen, sein individuelles Sortiment zu entwickeln", sagte der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat des Unternehmens, Arno Peukes, der "Berliner Zeitung". Auch der Konkurrent Kaufhof habe "seit Jahren konsequent das Prinzip der regionalisierten Sortimente vorangetrieben". Es sei wichtig für den Erfolg, in welchem Umfeld ein Warenhaus lokalisiert ist.

Aufgabe von Multimedia ein Fehler?

Peukes kritisierte die Abschaffung der Multimedia-Abteilungen von Karstadt durch den früheren Chef Andrew Jennings. Das habe schon zu Verlusten von Kunden geführt, und "wer Kunden verliert, verliert auch Umsatz", sagte der Gewerkschafter.

Karstadt steckt in einer tiefen Krise. Jennings-Nachfolgerin Sjösted hat nach wenigen Monaten wieder hingeworfen, und Aufsichtsratschef Stephan Fanderl kündigte an, dass mindestens 20 der 83 Kaufhäuser zur Disposition stünden.