Berichte über einen möglichen Verkauf der Buchhandelskette Thalia verunsichern die Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi ist darüber verärgert. Die Douglas-Töchter AppelrathCüpper und Hussel stehen Gerüchten zufolge auch zum Verkauf.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt vom Douglas-Vorstand Klarheit über die Zukunft der Buchsparte Thalia. "Die seit Wochen andauernde Berichterstattung über einen möglichen Verkauf und die Schließung von Thalia-Filialen verunsichert die Beschäftigten zunehmend", sagte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch am Donnerstag in Berlin. Thalia sei ein kerngesundes Unternehmen.

Der Hagener Konzern hatte Restrukturierungen angekündigt, weil Kunden zunehmend ins Internet abwanderten. Zudem hatte die Gründerfamilie Kreke angekündigt, den Konzern mit Hilfe von Investoren von der Börse nehmen zu wollen. Das hatte zu Spekulationen über eine Abspaltung von Thalia sowie den weiteren Töchtern Hussel (Süßwaren) und AppelrathCüpper (Mode) geführt.

Veränderungen nicht über Nacht gekommen

Veränderungen in der Buchbranche seien nicht über Nacht gekommen, sagte Rösch. "Für strategische Versäumnisse sind nicht die Beschäftigten verantwortlich." Er erwarte umfassende Transparenz für den vom Vorstand angekündigten Restrukturierungsprozess. Der Prozess müsse gemeinsam mit den Betriebsräten geführt werden.

Am Donnerstag hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass neben Thalia auch die Süßwarensparte und die Modekette verkauft werden könnten. Interessenten gebe es. Zu Thalia hatte über ein solches Interesse bereits das "Manager Magazin" geschrieben. In beiden Fällen gaben die Blätter keine konkreten Quellen an.

Die Finanzinvestoren interessieren sich laut FAZ für die gut laufenden Sparten der Douglas Holding - die Parfümeriekette und den Schmuckhändler Christ. AppelrathCüpper und Hussel könnten nach ihren Vorstellungen auf der Verkaufsliste landen. Noch weniger Interesse hätten die Finanzinvestoren an Thalia und plädierten für einen Verkauf, noch bevor sie bei der Douglas Holding einsteigen.

"Von Zerschlagung kann keine Rede sein"

Ob es so komme, sei allerdings noch lange nicht ausgemacht, heißt es in dem Bericht. Die maßgeblich am Unternehmen beteiligte Gründerfamilie Kreke wolle Thalia und auch die anderen Sparten in der Gruppe erhalten.

"Wir betreiben seit jeher eine renditeorientierte Portfoliopolitik mit der Maßgabe, dass alle Tochtergesellschaften ihre Kapitalkosten verdienen müssen oder zumindest die Aussicht haben, sie in absehbarer Zeit verdienen zu können. Von einer Zerschlagung kann daher keine Rede sein", sagte Douglas Holding-Chef Henning Kreke der Zeitung.