Mit markigen Sprüchen umwarb Wirtschaftsminister zu Guttenberg bei einer Edeka-Tagung die mittelständischen Händler. Und er gab offen zu: Die Unternehmensteuerreform war ein Fehler.

Der Wirtschaftsminister trat beim „E-Day" in Nürnberg auf, der Jahrestagung der Edeka Nordbayern - Sachsen - Thüringen. Karl-Theodor zu Guttenberg sprang dynamisch auf die Bühne und ließ nichts unversucht, um die Herzen der anwesenden mittelständischen Händler zu erobern.

Der Mittelstand sei die „Herzkammer der Volkswirtschaft", sagte der CSU-Mann. Zum Teil übertrieb er sogar ein wenig: „Mindestens einmal am Tag besuche ich einen Mittelständler", erzählte er dem erstaunten Publikum.

„Steuerreform war ein Fehler"

Aus der Sicht der anwesenden Händler fiel aber der wichtigste Satz von zu Guttenbergs Rede fast am Ende seines fünfzig Minuten dauernden Auftritts in der Messehalle 7 der Nürnberger Messe: „Die Unternehmenssteuerreform war ein Fehler", gab er zerknirscht zu.

Die mit der Reform 2008 eingeführte Hinzurechnung von Mieten und Pachten zur Gewerbesteuer, die dem Handel Sorge bereitet, müsse geändert werden, betonte zu Guttenberg. Dies werde jedoch kaum in dieser Legislaturperiode passieren. Ob er nach den Wahlen noch etwas auf der Bundesebene zu sagen habe, bliebe abzuwarten, sagte er.

Der Minister warnte davor, die Lage schlechter zu reden, als sie ist - gerade im Hinblick auf den Einzelhandel sei das wichtig. „Wer mit Kassandra ins Bett geht, darf sich nicht wundern, wenn er mit Mundgeruch aufwacht", war sein Vergleich dazu.

Künast lobt Edeka

Nach Guttenberg sprach die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, auf dem E-Day. „Edeka hat sich auf den Weg gemacht", lobte die ehemalige Verbraucherministerin das Streben des Lebensmittelhändlers nach mehr Qualität und einen höheren Bio-Anteil am Sortiment.

Die grüne Spitzenkandidatin kritisierte die Konjunkturpakete der Bundesregierung und die Abwrackprämie scharf und forderte eine zukunftsgerichtete „grüne Wende" in der Wirtschaft.

Neuer Regionalvorstand

Den Auftritten der Politiker wohnten Edeka-Chef Markus Mosa sowie die Mitglieder des neuen Regionalvorstandes der Edeka Nordbayern - Sachsen - Thüringen bei, der nur wenige Stunden davor auf der Mitgliederversammlung des Regionalverbandes vorgestellt worden war. Die Sitzung wurde vor allem durch die Unzufriedenheit des Aufsichtsrates mit den Ergebnissen der Geschäftsführung geprägt.

Ex-Lidl-Mann Stefan Rohrer hatte seinen ersten Auftritt als neuer Sprecher der Geschäftsführung, die neuen Vorstände Dieter Blanke und Peter Laemmert nutzen ebenfalls die Bühne des E-Day, um bei den Genossen bekannter zu werden.

Der Tag, der mit zu Guttenberg angefangen hatte, hörte mit Otto auf - der Komiker war der Stargast auf dem festlichen Abend des E-Day 2009.