Schon in drei bis sechs Monaten wollen deutsche Verlage ihr Online-Angebot umstellen und weitgehend kostenpflichtig machen. Dafür soll die Qualität der Inhalte verbessert werden.

Schon in drei bis sechs Monaten wollen deutsche Verlage ihr Online-Angebot umstellen und weitgehend kostenpflichtig machen. Dafür soll die Qualität der Inhalte verbessert werden. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter sieben führenden deutschen Verlagshäusern - darunter der Axel Springer Verlag und Gruner + Jahr -, die das internationale Beratungs- und Prüfungsunternehmen Andersen in seiner Studie "ePayment ante Portas - die Zukunft der Online-Angebote deutscher Verlage" zusammengefasst hat.

Vor dem Hintergrund der Situation am Neuen Markt und der seit 2001 rückläufigen Werbeeinnahmen im Internet sind die derzeitigen Geschäftsmodelle der Online-Verlagsdienste nicht profitabel, so die Studie. Als Grund für die geplante Preiseinführung geben 87% der Verlage ökonomische Sachzwänge an. Die weit überwiegende Mehrheit (71%) will bis spätestens Ende des ersten Halbjahres 2002 Gebühren erheben. 43% der befragten Unternehmen stellen bereits heute zum Teil kostenpflichtige Angebote ins Netz. Daneben sollen jedoch auch weiterhin Teile des Angebotes kostenfrei bleiben: Die Befragten erwarten, dass es zu einer Mischform aus gebührenpflichtigen und freien Angeboten kommen wird.

Laut Studie sind sich alle befragten Verlage einig, dass das Preis-/Leistungsverhältnis für die Nutzer-Akzeptanz entscheidend sein wird. Sofern die Hochwertigkeit des Produktes garantiert ist, also Inhalte exklusiv, personalisierbar und ansprechend aufbereitet sind, beurteilen die Befragten die Marktentwicklung positiv. Dennoch halten 57% die Einführung von Preismodellen für einen kritischen Faktor in der Entwicklung der Branche. "Sollte es den Anbietern nicht gelingen, attraktive Leistungspakete zu entwickeln, werden die Kunden bei der Wahl der Internetangebote versuchen, auf kostenfreie Seiten auszuweichen", erklärt Dr. Andreas Gentner, zuständiger Partner bei Andersen.

Als erfolgsentscheidend werden insbesondere die bereits etablierten Marken eingestuft: Fast alle Befragten wollen bei der Einführung kostenpflichtiger Inhalte im Pilotversuch mit ihren bekannten Printmarken versuchen, Kunden zu binden. Bei der Gebührenerhebung diskutieren die Verlage verschiedene Möglichkeiten. Denkbar ist unter anderem eine Abrechnung pro Kunde oder per nachgefragtem Dienst (abonnentenbezogenes Modell), beziehungsweise eine Clubmitgliedschaft, die den Zugang zu exklusiven Daten sichert. Bei dem Pay-per-Minute-Modell hingegen zahlt der Nutzer pro Downloadminute, bei Pay-per-Use fällt nur eine einmalige Nutzungsgebühr je nach Inhalt an. Für den elektronischen Bezahlvorgang bietet sich neben dem Inkassoverfahren die Abrechnung über das Festnetz an. Nach Angaben der Verlage ist jedoch auch die Verrechnung über Mobilfunknummern oder Prepaid-Karten möglich. (ST)


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