Als Bedrohung sieht man den E-Commerce beim Modehaus Gebrüder Götz nicht. Das Würzburger Unternehmen betrieb Multichannel-Handel schon lange, bevor der Begriff in aller Munde war.

1949 kam, zehn Jahre nach Eröffnung des Kaufhauses in der Innenstadt, der erste Katalog heraus. 2001 folgte der Webshop. Überschneidungen zwischen den Verkaufswegen sind Alltag bei Götz. Kunden, die einen Artikel im Laden nicht in der passenden Größe finden, bekommen ihn selbstverständlich nach Hause geliefert.

Und doch: "Das 'Multichannel-Modell' ist noch nicht optimal umgesetzt", räumt Matthias Franz, Online Marketing Manager bei Götz, selbstkritisch ein. "Die Verkaufskanäle werden künftig noch stärker vernetzt." Wichtigster Schritt ist die Vereinheitlichung des Webauftritts. Bislang betreibt das Unternehmen zwei Internetseiten: den Onlineshop gebrueder-goetz.de und die Präsenzseite dasmodehaus-würzburg.de.

Der Kunde soll entscheiden können

"Der Kunde soll selbst entscheiden, wann er wie einkauft - Hauptsache er kauft bei uns ein", beschreibt Franz das Motto. Gerade wegen des großen Einzugsgebietes - das ehemalige Kaufhaus mit Mode und Schuhen auf fünf Ebenen und 9.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zieht Kunden aus einem Umkreis von 100 Kilometern an - sei der Onlineshop wichtig.

"Diese Leute sollen wissen, dass sie bei uns auch bestellen können", sagt der stellvertretende Geschäftsleiter Christian Eck. Viel wichtiger sei aber der umgekehrte Effekt, "nämlich durch den Onlineauftritt Kunden ins Modehaus zu locken", sagt Eck. Die Website bietet deshalb einen virtuellen Rundgang durch das Geschäft und einen Einblick in den umfangreichen Service.

Onlinehandel ist heute ein Muss, "aber auch ein zweischneidiges Schwert", so Eck. Zwar seien die Umsätze online höher als im Laden. Durchschnittlich 3,8 Artikel bestellt ein Kunde im Götz-Onlineshop, "aber auch das Retourenverhalten ist anders. Der tatsächliche Durchschnittsbon ist stationär deutlich höher." Jeder Verkaufskanal folgt eigenen Regeln, das weiß man bei Gebrüder Götz aus langer Erfahrung. Ladensortimente lassen sich nicht eins zu eins ins Internet übertragen. "Rennerartikel im Versandhandel sind manchmal Ladenhüter im Geschäft", sagt Eck.

Ulrike Sanz Grossón


Dieser Artikel ist Bestandteil der Titelgeschichte der Juli-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.