Lothar Schäfer, Chef der Adler ­Modemärkte, über die Strategie des Unternehmens, fair gehandelte Textilien sowie die neuen Werbebotschafter.

Adler-Chef Schäfer möchte 2010 weiter expandieren. (Foto:Adler)
Adler-Chef Schäfer möchte 2010 weiter expandieren. (Foto:Adler)
Sie meldeten kürzlich, der Umsatzverlust bei Adler sei 2009 gestoppt worden. Das Umsatzniveau wurde mit rund 400 Millionen Euro beziffert - 2008 erwirtschaftete das Unternehmen aber 464 Millionen Euro. Wie erklärt sich diese Diskrepanz?

Mit unserer Aussage machten wir deutlich, dass die Umsatzverluste aus dem ersten Halbjahr 2009 gestoppt wurden - wir haben also wieder aufgeholt. Auch 2010 machen wir gute Geschäfte: Nach einem schwierigen Januar und Februar verlief der März sehr positiv, sodass wir derzeit über Plan liegen. Dieses Jahr wollen wir schwarze Zahlen schreiben.

Woher kommt dieser Optimismus?
Wir haben bei Adler eine Strategie­korrektur vorgenommen, die nun ­anfängt, zu greifen. Das fehlgeschlagene Verjüngungsprogramm wurde gestoppt. Nun fokussieren wir wieder ganz klar wieder auf die Konsumenten über 45 Jahre, unsere Stammkundschaft. Bei uns heißt es also: ­zurück zu den Wurzeln.

Deshalb auch der Wechsel der ­Protagonisten der Adler-Werbung?
Ja, denn wir wollen bei den Kunden authentisch rüberkommen. Die TV-Moderatorin Birgit Schrowange oder Rainer Calmund, der unsere Kollektion für große Größen vorstellt, passen viel besser zu unserem Image als die Schauspielerin Veronica ­Ferres, von der wir uns getrennt ­haben.

Wie passen Fairtrade-Textilien, die Adler seit wenigen Wochen bundesweit anbietet, in diese ­Strategie?
Wir wollen authentisch sein und nicht abgehoben. Das passt zu Fairtrade: Mit Produkten aus dem Fairen Handel zeigen wir, dass Adler Verantwortung übernimmt und Nachhaltigkeit ernst nimmt. Das kommt bei den Kunden gut an. Zudem wollten wir im Bereich der Textilien aus fair gehandelter Baumwolle zu den Ersten gehören, die sie im großen Stil anbieten. Das bleibt bei den Konsumenten in Erinnerung.

Wie geht es weiter mit Adler? Wollen Sie nach der Schrumpfkur der letzten Jahre wieder expandieren?
Wir planen die Eröffnung von bis zu fünf Filialen noch in diesem Jahr und sind mit zwei Expansionsleitern auf Flächensuche. Wir zielen vor allem auf Ladengeschäfte mit bis zu 2.000 Quadratmetern, die vorher mit Mode bestückt waren. Es wurden sogar alte Märkte wieder eröffnet - etwa im hessischen Wetzlar, wo der einstige Adler-Markt zwei Jahre leer stand und nun wieder betrieben wird.

Was tut sich beim Ladenkonzept?
Wir haben eine Erprobungsphase mit Shop-in-Shops von Steilmann, Gin Tonic und Gin Fizz erfolgreich abgeschlossen und denken über die Ausweitung der Konzessionsflächen nach. Die Gesprächen mit verschiedenen Anbietern laufen bereits.

Interview: Marcelo Crescenti

Adler
Bewegte Geschichte
Der Modefilialist Adler feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Firmenjubiläum und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im Februar 2009 veräußerte die Metro Group AG das Unternehmen, das zwischenzeitlich in der ­Divaco AG geparkt war, an den luxemburgischen Finanz­investor BluO. Mit über 130 Modemärkten und knapp 6.000 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und Luxemburg ist Adler eine der größten deutschen Textilhandelsketten.


Dieser Artikel ist in der Mai-Ausgabe von Der Handel erschienen.
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