Der Lieferstopp vom Paketdienstleister DHL zeigt, wie gravierend die Krise bei  Neckermann ist. Intern rechnet schon mancher mit einer "Schlecker-Lösung". Immerhin: Laut Insolvenzverwalter wird wieder geliefert. Aktualisiert

Noch können Kunden bei Neckermann einkaufen: Der Internetshop des Versenders funktioniert an diesem Mittwochnachmittag wie gewöhnlich. Das ausgewählte Produkt, ein Poloshirt, ist tatsächlich vorhanden. Nach einer Testbestellung von Der Handel kommt der Hinweis, dass die Ware erst "nach ein bis zwei Wochen" ausgeliefert wird.

Ob Neckermann so lange durchhält, wird sich noch erweisen: Die Perspektiven für den Versender werden immer düsterer. Wie berichtet, bestätigte DHL gegenüber derhandel.de einen Lieferstopp für den insolventen Versender.

Vor wenigen Tagen noch hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege versichert, Verkauf, Versand und Service würden weiter laufen. In seiner Kanzlei wollte man auf Anfrage von Der Handel zum Lieferstopp zunächst keine Stellungnahme abgeben. Man werde sich erst in der kommenden Woche zum Neckermann-Verfahren äußern, hieß es stattdessen.

Am späten Nachmittag gab Frege dann Entwarnung: "Ab morgen beginnt DHL wieder mit der Auslieferung der Pakete". Es sei gelungen, mit den Lieferanten und Warenkreditversicherungen zu vereinbaren, dass die Waren an die Kunden ausgeliefert werden, sagte er in einer
Neckermann: Pakete bleiben liegen. Foto: Neckermann
Neckermann: Pakete bleiben liegen. Foto: Neckermann
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"Lieferstopp bedeutet: Licht aus!"

Der Lieferstopp war der bisherige Höhepunkt einer dramatischen Entwicklung beim Frankfurter Versandhaus, nachdem der Investor Sun Capital eine Einigung mit dem Betriebsrat stoppte und den Geldhahn zudrehte - das Unternehmen musste Insolvenz beantragen.

In Deutschland stehen nach früheren Angaben des Unternehmens etwa 2.250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.
"Lieferstopp bedeutet: Licht Aus", kommentierte lakonisch ein Branchenbeobachter mit langjähriger Neckermann-Erfahrung.

Und tatsächlich reden manche im Unternehmen bereits von einer "Schlecker-Lösung": Hat das Unternehmen als Ganzes keine Chance mehr, werden profitable Teile und Tochtergesellschaften verkauft - und der Rest zugemacht.

Der Umsatz soll seit der Insolvenz eingebrochen sein, berichtet ein Insider, der sich mit den Zahlen von Neckermann beschäftigt hat. Die Kunden hätten trotz Beteuerungen der Insolvenzverwaltung Bedenken, Ware zu bestellen.

Jetzt darf man auf das weitere Vorgehen der Insolvenzverwaltung gespannt sein, die zuletzt von "interessierten Investoren" für Neckermann sprach, ohne Details zu nennen.