Die baden-württembergische Wirtschaft nutzt zunehmend virtuelle Formen der Organisation und Zusammenarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.

Die baden-württembergische Wirtschaft nutzt zunehmend virtuelle Formen der Organisation und Zusammenarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg und der MFG Medienentwicklung durchgeführte Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, die am 15. Februar 2000 im Stuttgarter Haus der Wirtschaft vorgestellt wurde. Die in Bezug auf ihre Aussagefähigkeit bundesweit einmalige Untersuchung zeigt den aktuellen Realisierungs- und Planungsstand virtueller Unternehmensstrukturen in Baden-Württemberg. Insgesamt beteiligten sich mehr als 1.100 Unternehmen aus dem Südwesten, wobei die Zuliefererindustrie einen besonderen Schwerpunkt einnimmt.

Virtuelle Organisationen entstehen, so die Studie, durch einen projektbezogenen temporären Zusammenschluss selbstständiger Unternehmen mithilfe moderner Informationstechnologien. "Gerade Baden-Württemberg bietet als führender High-Tech-Standort die Infrastruktur und Fachkompetenz zum Aufbau dieser zukunftsfähigen Organisationsform", betont Dr. Horst Mehrländer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Daher haben das Wirtschaftsministerium und die MFG rund 270.000 Mark für die Strategiestudie zur Verfügung gestellt, um erstmals einen vollständigen Überblick über die Erscheinungsformen virtueller Unternehmen zu erhalten.

Virtuelle Strukturen werden bislang vor allem von Unternehmen aus den Bereichen der unternehmensbezogenen Dienstleister, Medienwirtschaft, Zuliefererindustrie, Banken und in Teilen des Handwerks eingesetzt. Als Hauptgründe für die Virtualisierung nennen die im Rahmen der Studie befragten Unternehmen Flexibilität und Kundenorientierung, den Trend zu projektorientierterer Binnenorganisation sowie ein Arbeitskräftemangel im Bereich der expandierenden Dienstleistungsunternehmen. "Besonders kleinen und mittleren Unternehmen bieten sich durch die Vernetzung der Strukturen neue Möglichkeiten der Marktbearbeitung und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit", so Klaus Haasis, Geschäftsführer der MFG Medienentwicklung.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass baden-württembergische Unternehmen noch einen großen Bedarf an gezielter Information zu virtuellen Organisationen haben. Sie wünschen sich Beratungen zu folgenden Themen: Auswahl geeigneter Kooperationspartner, Management verteilter Zusammenarbeit, Einsatz geeigneter Informations- und Kommunikationstechnologie, steuerliche und juristische Behandlung virtueller Unternehmensstrukturen.

Das bei der MFG Medienentwicklung geschaffene "Informations- und Beratungszentrum Virtuelle Organisationen" stößt damit auf großes Interesse bei der baden-württembergischen Wirtschaft. Seit Anfang des Jahres werden dort in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, dem Forschungszentrum Informatik an der Universität Karlsruhe FZI und der Universität Hohenheim, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik kostenlose Kurzberatungen für hilfesuchende Unternehmen durchgeführt.

Nicht zuletzt, so Professor Bullinger vom IAO, müssten auch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen angepasst werden: "Virtuelle Kooperations- und Arbeitsstrukturen erfordern hierauf zugeschnittene Aus- und Weiterbildungstechnologien und -konzepte. Verteilte und flexible Lernmöglichkeiten sowie betriebsübergreifende Maßnahmen sind mit Konzepten des Web-basierten Lernens oder des Business-TV heute praktisch realisierbar."


KONTAKT:

MFG Medienentwicklung
Dr. Ansgar Zerfaß
Tel. 0711-1222856
E-Mail: zerfass@mfg.de

Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Ulrich Köpf
Tel. 0711-1232148
E-Mail: ulrich.koepf@wm.bwl.de

Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
Josephine Hofmann
Tel. 0711-9702095
E-Mail: josephine.hofmann@iao.fhg.de