Nun geht es Visa an den Kragen: Die EU-Kommission will ein förmliches Missbrauchserfahren eröffnen, um gegen die umstrittenen Abrechnungsgebühren vorzugehen.

Dem Kreditkartenunternehmen Visa droht ein saftiges EU-Bußgeld wegen Abwicklungsgebühren in Millionenhöhe. Wie die EU-Kommission am Montag in Brüssel mitteilte, wurde gegen Visa ein förmliches Missbrauchsverfahren eröffnet. Vorermittlungen dazu liefen bereits seit März vergangenen Jahres.

Brüssel will mit dem Verfahren niedrigere Preise im europäischen Einzelhandel durchdrücken. Der Visa-Konkurrent Mastercard hatte bereits auf Druck der Wettbewerbshüter die umstrittenen Abrechnungsgebühren gesenkt. Falls die EU-Ermittler ihre Vorwürfe beweisen können, kann ein Bußgeld bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes betragen.

Nicht nachvollziehbare Bankkosten

Es geht in dem Fall nicht um Gebühren, die ein Verbraucher an seine Bank für die Ausgabe einer Kredit- oder Zahlungskarte bezahlt. Es handelt sich hingegen um für den Verbraucher nicht nachvollziehbare Bankkosten, so genannte Interchange Fees, die letztlich der Einzelhändler zu tragen hat.

Die sogenannten Beschwerdepunkte wurden Visa bereits am 3. April geschickt. Die Gebühren gelten praktisch für alle grenzüberschreitenden Kartenzahlungen in Europa. In neun Mitgliedstaaten wie Belgien, den Niederlanden oder Italien werden die Gebühren auch für Inlandszahlungen erhoben - Deutschland und Österreich gehören nicht dazu.

Die Wettbewerbshüter werfen Visa vor, dass die Gebühren die Konkurrenz zwischen Banken beeinträchtigen und letztlich höhere Verbraucherpreise verursachen. 36 Prozent aller Kredit- und Zahlungskarten in Europa stammen von Visa. Der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung zum Nachteil von Kunden und Verbrauchern ist laut EU-Recht streng verboten.