Immer häufiger werden V-Pay-Karten an der Ladenkasse gesichtet: Das Debitkartenprodukt von Visa bahnt sich seinen Weg im deutschen Kartenmarkt. Der Marktanteil des Konkurrenzprodukts zur EC-Maestro-Karte steigt kontinuierlich.

Statt der vertrauten EC-Karte mit dem Maestro-Logo zücken deutsche Verbraucher an der Ladenkasse immer häufiger eine Bankkarte, auf der das noch weniger bekannte V-Pay-Logo prangt. Denn immer mehr Kreditinstitute in Deutschland stellen ihr Bankkarten-Portfolio um und entscheiden sich gegen den Kreditkartenanbieter Mastercard (Maestro) und für das Visa-Co-Branding von V-Pay auf der Girocard.

"Die deutschen Mitgliedsbanken von Visa Europe haben derzeit 34 Millionen Bestellungen für V-Pay/girocard Karten zugesagt", teilt Visa Europe in einer Pressemitteilung vom heutigen Montag mit. Zehn Millionen davon sollen bis Mitte 2011 an Bankkunden ausgegeben sein. Insgesamt sind in Deutschland rund 90 Millionen Bankkarten (Girocard) im Umlauf.

Postbank als größter Emittent

Die Postbank ist der größte deutsche V-Pay-Emittent. Darüber hinaus setzen Volks- und Raiffeisenbanken über DZ Bank und WGZ Bank, die BW-Bank, die Landesbank Berlin, die Sparkasse Jena und Sparkasse Niederbayern auf das Debitprodukt von Visa.

Der Grund für die zunehmende Ausgabe von neuen Karten liegt laut Visa Deutschland-Chef Ottmar Bloching unter anderem in dem massiven Anstieg von Betrugsfällen durch das Ausspähen (Skimming) und Kopieren des girocard-Magnetstreifens an deutschen Geldautomaten. Die V-Pay-Karte verhindere den Betrug durch Skimming, da die Chip-und-PIN-Technologie Verluste durch den Einsatz von illegalen Kartendubletten am Geldautomaten unmöglich mache.

"Mit V-Pay werden alle sicherheitsrelevanten Zahlungstransaktionen per Chip und PIN abgewickelt. Lediglich Zusatzservices wie Kontoauszugsdrucker oder Türöffner bleiben magnetstreifenbasiert", erläutert Bloching. Seit der Produkteinführung von V-Pay im Jahr 2007 sei kein einziger Betrugsfall durch Skimming in Europa berichtet worden, betont der Visa-Deutschland-Chef.

Eine Frage der Sicherheit und des Einflusses

Europaweit ist derzeit laut Visa die Ausgabe von 63 Millionen V-Pay-Karten zugesagt. "Banken betrachten den Magnetstreifen als ein Auslaufmodell - und sehen die Zukunft in rein chipbasierten Bezahlverfahren", sagt Jutta Müller-Liefeld, Vice President V-Pay Marketing bei Visa Europe.

Neben dem Sicherheitsaspekt dürfte für vielen Banken jedoch auch die Unabhängigkeit vom Maestro-Verfahren des Kreditkartenunternehmens Mastercard eine Rolle bei der Entscheidung für den Wechsel zu V-Pay gespielt haben.

Während Visa Europe stets betont, eine "Non-Profit-Organisation" der Mitgliedsbanken zu sein, ist Mastercard ein börsennotiertes Unternehmen, auf dessen Gebührenpolitik und Geschäftsstrategie die lizenznehmenden Banken deutlich weniger Einfluss besitzen.