Verschlüsselung der Kartendaten beim Bezahlen, damit Hacker den Spaß am Datenklau im Handel verlieren: Das zählt zu den wichtigsten Projekten des Kreditkartenanbieters Visa in den kommenden Jahren.

Im Fachjargon spricht das Visa-Management von der "Tokenisation", der Verschlüsselung der Kreditkartennummern durch einen Platzhalter. Dieser Platzhalter kann einem Gerät wie dem Smartphone zugeordnet werden,  einem Kanal wie dem E-Commerce oder nur einem spezifischen Händler.

Ein Kartendieb kann damit also nur noch begrenzt etwas anfangen, wenn er überhaupt herausfindet, für welchen Anlass der Token generiert worden ist. Geliefert werden die Verschlüsselungen von der Bank, über die die Karte läuft. Visa sucht den entsprechenden Schulterschluss mit den Kreditinstituten.  "Das Interesse von Kriminellen, in Händlerdatenbanken einzudringen, wird deutlich reduziert," sagt Ottmar Bloching, Visa-Chef für den deutschsprachigen Raum und die Benelux-Staaten. Ebenso werde das Vertrauen der Verbraucher in digitale Kanäle weiter gestärkt.

Mit günstigen Tarifen für Händler attraktiv werden

Damit steige dann auch die Akzeptanz im Handel, um letztlich mehr Terminals für Kreditkarten aufzustellen. Zumal Bloching der Beschränkung von Kartengebühren durch die Europäische Union ebenfalls Positives abgewinnen kann. Denn günstigere Tarife machten Kreditkarten für die Händler künftig viel attraktiver, ist seine Ansicht.

Die Deckelung der Gebühren betrifft ohnehin nur die Banken, da es sich um die sogenannten Interbanken-Entgelte handelt.

Wachstum und Traumrendite

Visa selbst ist von solchen Beschneidungen weit entfernt. Im Gegenteil: Das Unternehmen wächst und wächst, bei der Zahl der Kunden, beim Umsatz und beim Ergebnis. Stolz präsentierte das Management an diesem Dienstag die aktuellen Zahlen: Erstmals haben deutsche Banken demnach mehr als 50 Millionen Bank- und Kreditkarten von Visa Europe an ihre Kunden ausgegeben. Das Mengenwachstum lag bei knapp 13 Prozent. "Vier von zehn Deutschen nutzen eine Karte von Visa", so der hiesige Visa-Chef. Gemeint sind sowohl die klassischen Kreditkarten als auch die Bankkarten VPay, Visas Pendant zur EC-Karte. 

Der Umsatz von Visa Europe kletterte 2014 um 9 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, der Gewinn sogar um satte 30 Prozent auf 343 Millionen Euro, eine Rendite, von der die meisten Händler kaum zu träumen wagen. Die überproportionale Steigerung erklärt Bloching damit, dass die „Kernkosten seit 2012 unverändert geblieben sind", während der Umsatz stieg.

Viel Geld für Technologien

Andererseits greift das Unternehmen bei den Investitionen mit jährlich 200 Millionen Euro tief in die Tasche: Es geht vor allem um neue Systeme und Technologien. Ganz vorn dabei ist das kontaktlose Zahlen. Die Nahfrequenz-Technologie NFC setzt sich nach und nach durch, entsprechend mehr kontaktlose Visa-Karten werden von den Banken ausgegeben.

Das europaweite Ziel von Visa deckt sich mit dem des Wettbewerbers Mastercard: Ab 2016 müssen alle neuen Terminals kontaktloses Bezahlen ermöglichen, ab 2020 sollen alle aufgestellten Visa-Terminals dazu in der Lage sein. Die nächste Stufe wird das so genannte "Cloud-basierte" Bezahlen sein - selbstredend soll alles sicher und verschlüsselt sein.

Doch gerade in Deutschland ist das zumindest für die breite Masse der Kunden noch Zukunftsmusik. Hierzulande läuft das Gros aller Transaktionen bei Kleinbeträgen immer noch über Bargeld. Es wird noch lange dauern, bis man am Kiosk,  beim Bäcker und vielen Parkhäusern mit Karte, geschweige denn kontaktlos zahlen kann.