Vitalia hat einen neuen Besitzer. Vita-Sinn übernimmt die größte deutsche Reformhauskette, die Insolvenz anmelden musste. Der alte Besitzer ist faktisch der neue Chef.

Nur drei Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens gibt es für Vitalia eine gute Nachricht: Die vor vierzig Jahren gegründete Reformhauskette bleibt erhalten. Zum 1. Februar übernimmt die Firma Vita-Sinn den deutschen Marktführer in der Reformhausbranche, teilt der Sprecher von Insolvenzverwalter Thomas George (München) mit.

Interesse an kleinen Flächen

Insgesamt werden 80 Filialen und 531 Arbeitsplätze erhalten. Unterm Strich wurden damit 23 Standorte aufgegeben. Bereits Ende 2009 waren 17 Filialen geschlossen worden, in diesem Jahr dann sechs weitere.

Einige defizitäre großflächigere Märkte müssten voraussichtlich geschlossen werden, sagte der Sprecher. "Wir haben nur für einen Teil der großflächigen Filialen ein Angebot erhalten", betonte George. Die Investoren hätten sich vielmehr für mittleren und kleine Häuser interessiert.

An der Seite der Lebensgefährtin

Die Übernahme durch Vita-Sinn ist freilich pikant. Besitzerin Ingrid Sonnleiter ist die Lebensgefährtin von Vitalia-Gründer Bernd Büttner, der damit als offizieller Berater über die Hintertür wieder Zugang zu seinem Betrieb gefunden hat.

Zuletzt hatte Büttner einen Streit mit dem vorübergehenden Vitalia-Mehrheitseigner Paul Vorsteher ausgefochten, der dem Unternehmensgründer "die unrechtmäßige Entnahme erheblicher finanzieller Mittel aus dem Firmenvermögen" vorgeworfen hatte.

Büttner (dem zuletzt 49 Prozent an Vitalia gehörten) verwahrte sich gegen diese Unterstellung, sah sich trotzdem einer Forderung über sieben Millionen Euro von Vorsteher konfrontiert. Über den Ausgang dieses Streits ist bisher nichts bekannt.

Guter Ruf als Geschäftsmann

In der "Süddeutschen Zeitung" verteidigte George das Comeback von Büttner. Der Kaufmann habe in der Vergangenheit zwar "unbestreitbar Fehler" in seiner Expansionsstrategie begangen. Andererseits habe er das Unternehmen 38 Jahre lang "mit Bravour geführt".

Die Fehler hätten seinen Ruf als Geschäftsmann nicht beschädigt, was auch durch das Vertrauen vieler Lieferanten bestätigt werde.