Deutschlands größte Reformhauskette kämpft ums Überleben. Für Vitalia läuft seit Jahresbeginn das Insolvenzverfahren. Ein Käufer wird gesucht, angeblich gibt es auch viele Interessenten.

"Das Interesse ist groß, die Gespräche laufen durchweg positiv", sagte Insolvenzverwalter Michael George dem "Handelsblatt". Vitalia (Sitz im bayerischen Weyran) hat im Oktober vergangenen Jahres Insolvenzantrag gestellt, am 1. Januar des neuen Jahres eröffnete das Amtsgericht Wolfratshausen das Insolvenzverfahren.

George hatte in den zurückliegenden Monaten bereits 17 Filialen geschlossen. An den übrig gebliebenen 86 Standorten bundesweit läuft der Geschäftsbetrieb wie gewohnt weiter. "Die Warenengpässe, die es in der Vergangenheit bedauerlicherweise gegeben hat, werden wir schnellsmöglich beheben", schreibt George an die Kunden.

Vitalia beschäftigt in Deutschland und Österreich 800 Mitarbeiter. Von der Insolvenz ist auch die ÖkoNova Handelsgesellschaft betroffen, die Bioprodukte für Großhändler und Betriebe liefert.

Streit im Unternehmen

Der Insolvenzverwalter gab bisher nicht bekannt, warum Vitalia in wirtschaftliche Schieflage geraten ist. Hauptgrund dürfte aber der erbitterte Streit zwischen Alt- und Neueigentümer der Kette sein. Dessen Auslöser war die Rücknahme der angeblich festen Zusage einer Expansionsfinanzierung der HSBC-Bank. Das britische Kreditinstitut hatte sich davon im Juni 2009 distanziert.

Im selben Monat signalisierte der Finanzinvestor Harald Christ Interesse an der Übernahme der Geschäftsführung, stellte ein Investment in Höhe von 5 Millionen Euro in Aussicht und versprach, die Zahl der Vitalia-Filialen zu verdoppeln. Christ war bei der Bundestagswahl 2009 Mittelstandsbeauftragter im Team von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Christ überwarf sich allerdings mit dem Vitalia-Alteigentümer Bernd Büttner - und stellte seine Bemühungen schon im Juli ein.

"Warum soll ich Geld aus dem Unternehmen herausziehen?"

Christs Geschäftspartner Paul Vorsteher kaufte Büttner dann 51 Prozent der Vitalia-Anteile ab, und warf kurz danach dem Gründer des Reformhauses per schriftlicher Mitteilung "die unrechtmäßige Entnahme erheblicher finanzieller Mittel aus dem Firmenvermögen" vor.

Büttner wies diese Unterstellungen zurück. "Das ist alles nicht wahr", zitiert der "Münchner Merkur" den Altchef. "Warum sollte ich denn Geld aus einem Unternehmen herausziehen, für das ich noch immer mit meinem gesamten Privatvermögen hafte?" Trotzdem beharrte Vorsteher auf einer Forderung von sieben Millionen Euro an Büttner.

Umsätze sollen gut sein

Im Jahr 2007 betrug der Vitalia-Umsatz 45 Millionen Euro und 400.000 Euro Vorsteuergewinn. Diesen Betrag hatte sich Büttner in voller Höhe ausschütten lassen. Dies tat er auch im Jahr davor. 

Insolvenzverwalter George sagte dieser Tage, dass die Umsätze in den vergangenen Wochen gezeigt hätten, dass die Kunden zum Unternehmen stehen. Vitalia zeige, dass eine Insolvenz die Chance auf den Neustart sein kann. Die Reformhäuser durchleben allerdings schwere Zeiten. Vom Bio-Boom in Deutschland kann die Branche nicht profitieren.