Mercedes-Benz schlägt mit dem ersten Elektro-Transporter ab Werk ein neues Kapitel in der Antriebstechnik für leichte Nutzfahrzeuge auf. Sein Name: Vito E-CELL. Seine Berufung: Im Flüsterton emissionsfrei durch die City.

Die Fertigung ist bereits angelaufen, die erste Kleinserie von 100 Fahrzeugen soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Für 2011 sind weitere 2000 Einheiten geplant.

Der vorrangige Einsatzbereich des neuen Vito E-CELL: Lärmgeschützte Bereiche wie in Kurgebieten, durch nächtliche Fahrverbote geschonte Wohngegenden, innerbetriebliche Hallen, Fußgängerzonen.

Mit 81 PS Direktantrieb 130 km weit

Statt eines herkömmlichen Verbrennungsmotors wird der Vito E-CELL ausschließlich von einem 60 kW starken Elektromotor angetrieben, der seine Kraft aus leistungsstarken, unter dem Ladeboden sicher verstauten Lithium-Ionen-Batterien mit einer Nominalspannung von 360 Volt schöpft. Genug, um einen Mehrpersonenhaushalt mit Energie zu versorgen.

Genug aber auch, um dem äußerlich unveränderten Transporter eine Reichweite von rund 130 km zu ermöglichen, ohne dass dabei Einschränkungen bei Laderaum und Nutzlast (rund 900 kg) in Kauf genommen werden müssen.  Damit erfüllt der Vito E-CELL mühelos nicht nur die durchschnittlichen Kundenanforderungen von 50 bis 80 km Laufleistung am Tag, sondern verfügt auch noch über eine großzügig bemessene Kraftreserve.

Und auch die auf 80 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit erweist sich im vorwiegend innerstädtischen Bereich als vollkommen ausreichend. Zumal dann, wenn - anders als bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren -  das volle Drehmoment (280 Nm) bereits vom Start weg zur Verfügung steht und die dynamischen Fahrleistungen sich nicht von denen eines modernen Dieselantriebs unterscheiden.

Voll aufgeladen in sechs Stunden

Und während der Fahrer schläft, lädt auch der Vito E-CELL - im optimalen Fall günstigen Nachtstrom nutzend - seine Batterien auf. Angeschlossen an ein 380/400-Volt-Netz verfügt der Stromspeicher nach maximal sechs Stunden wieder über seine volle Leistungskraft. Die doppelte Ladezeit in Kauf nehmend, lässt sich der Vito E-CELL mit einem üblichen Schuko-Stecker aber auch an jedem 230-Volt-Haushaltsanschluss „auftanken".

Das einzige Problem: Wirklich kaufen lässt sich der Vito E-CELL zumindest momentan noch nicht. Die ersten 100 Fahrzeuge kommen ausschließlich im Raum Stuttgart und Berlin zum Einsatz, wo Mercedes-Benz seinen Pilotkunden eine Rund-um-Versorgung inclusive Ladestation bietet. Nach vier Jahren Erprobungsphase und rund 80 000 km gehen die lediglich gemieteten Fahrzeuge zurück an den Hersteller, der sich hiervon wertvolle Erfahrungen für die künftige Serienproduktion verspricht.

Rein wirtschaftlich betrachtet erweist sich der Vito E-CELL derweil zumindest vorerst noch als Zuschussgeschäft, auch wenn man Mercedes-Benz zur fälligen monatlichen Nutzungsrate keine Angaben machen möchte. Nur soviel: Im Vergleich zu den Kosten eines Standarddiesels ist trotz verschiedenster öffentlicher Fördermittel derzeit von „Faktor zwei" auszugehen, wie es ein Sprecher formuliert.  

Hans Naumann