Josef Sanktjohanser, Vorstandsmitglied der Rewe Group und Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) spricht sich gegen die Ampel-Kennzeichunng aus. 

Die Ampel steht auf Rot für die endlos erscheinende Geschichte der Nährwertkennzeichnung mit Ampelfarben. Die Diskussion wird zwischen Ideologen und Vertretern rationaler, pragmatischer Ansätze geführt.

Während die einen, Foodwatch, Verbraucherzentralen und Teile der Politik, mit plakativer Einfachheit Verbraucher erziehen wollen, haben die anderen, Lebensmittelhandel und -industrie, bereits seit mehreren Jahren mit dem 1+4 Modell beachtliche Fortschritte in der Verbraucheraufklärung und hohe Akzeptanz erzielt.

Das Engagement der Ernährungswirtschaft, ihre Handels- und Herstellermarken in großem Stil mit ausführlichen tages- und portionsbezogenen Nährwertangaben auszustatten, ist beispielhaft.

Ausgewogene Ernährung verlangt differenzierende Informationen. Es gibt keine guten oder schlechten Lebensmittel; es gibt nur gute oder schlechte Lebensweisen. Die Ampelkennzeichnung ist völlig untauglich, dem Rechnung zu tragen. Alle seriösen wissenschaftlichen Feststellungen lehnen die undifferenzierte farbliche Kennzeichnung ab. Sie verwirrt, gibt falsche Anleitungen zum Ernährungsverhalten und täuscht damit den Verbraucher.

In England - dem Ampel-Mutterland - ist die Ampelkennzeichnung lange nicht so verbreitet, wie oftmals angenommen. Die GDA-Kennzeichnung, also die Angabe der tages- beziehungsweise portionsbezogenen Nährwerte überwiegt bei Weitem. Die Politik in Berlin und Brüssel ist wegen der genannten Gründe eindeutig auf Distanz zur Ampel gegangen.

All das wissen die Ampel-Verfechter. Es hindert sie jedoch nicht an dem Versuch, die Konsumenten auf Basis suggestiver Umfragen weiterhin mit Halbwahrheiten zu bevormunden. Eine breit angelegte Befragung zur Nährwert-Ampel unter 17.000 EU-Bürgern hat deutlich gezeigt, dass drei Viertel der Verbraucher die rote und mit ähnlicher Wirkung die gelbe Ampel als Stoppsignal gegen den Verzehr dieser so gekennzeichneten Produkte wahrnehmen. Ein verheerendes Resultat!

Die Ampel ist nicht Schutz, sondern Gängelung des ach so gepriesenen mündigen, aufgeklärten Verbrauchers. Es gibt vordringlichere Themen bei Lebensmitteln. Versorgungssicherheit, Vielfalt, Länderspezialitäten, Patentrechte bei Agrarerzeugnissen und vieles mehr.

Bei diesen Fragen lohnt sich der Dialog mit allen Vertretern der Lebensmittelkette, der Politik und Öffentlichkeit. Diesen Dialog wünsche ich mir gleichermaßen mit mehr Anerkennung für die beachtlichen Leistungen der deutschen Ernährungswirtschaft, die jeden Tag mehr interessiert ist, dass unsere Kunden noch bessere Lebensmittel kaufen können. Den Beweis liefern wir schon seit Jahrzehnten, indem die Menschen immer länger gesünder leben.

Josef Sanktjohanser
Vorstandsmitglied der Rewe Group und Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE)

Dieser Artikel ist im Rahmen eines Pro&Contra-Beitrages zur Lebensmittel-Ampel in der Juli-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen.

Lesen Sie hier den Pro-Beitrag von Dr. Thilo Bode, Gründer und Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Foodwatch, der sich für die Nährwertauszeichnung per Ampel-Farben ausspricht.