Mit einer umfassenden Marketingkampagne bereitet Volkswagen derzeit den Weg für den Marktstart des Kleinstwagens Up am 2. Dezember.

Großangriff im Kleinstwagensegment: Vom 2. Dezember an will Volkswagen auch eine der letzten in der „Trophäensammlung" des Konzerns noch fehlenden Fahrzeugkategorien erobern und bei den „Kleinen" ganz groß rauskommen.

Der Up steht in der Startlöchern und es bedarf keiner prophetischen Gaben, um die baldige Marktführerschaft an der automobilen Basis vorauszusagen. So wie die größeren Brüder Polo, Golf, Passat, Tiguan und Touran seit Jahr und Tag ihrer jeweiligen Konkurrenz voraus fahren, so wird sich auch das 3,54-Meter-Wägelchen aus Wolfsburg in Deutschland sicher alsbald an die Spitze der Zulassungsstatistik setzen.

Großes Eroberungspotenzial

„Wir hatten bislang in dieser Klasse kein attraktives Angebot", gibt Volkswagen-Produktmanagerin Christine Roch unumwunden zu, „doch jetzt wollen wir mit dem Up neue Kunden erobern - von ganz jungen Autokäufern bis zur Generation 50plus. Wir rechnen damit, dass zwei Drittel der Up-Kunden bislang keinen Volkswagen gefahren haben."

Dazu haben die Norddeutschen ihre Marketingmaschinerie unter Volldampf gesetzt. Seit der Weltpremiere auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt am Main ist der flotte Flitzer mit dem kurzen Namen in aller Munde und kommt dabei ganz groß raus.

Ob TV- und Radiowerbung, Städtetour oder eigenes Magazin, VW lässt derzeit keine Gelegenheit aus, um den Cityflitzer, als „wahren Volkswagen" ins rechte Licht zu rücken. „Wir erreichen mit dieser Kampagne über alle Kanäle 90 bis 95 Prozent aller europäischen Verbraucher", sagt Christine Roch.

Für den urbanen Verkehr gerüstet

Jetzt durfte die internationale Journalistenschar in Rom zur ersten Probefahrt hinters Steuer. Exakt dort, wo die erklärten Widersacher wie der Fiat Panda oder der Smart ihr natürliches Revier haben. Und es zeigte sich auf Anhieb, dass der neue Winzling bestens für den urbanen Stop-and-go-Verkehr und die Nutzung kleinster Parklücken geeignet ist. Lenkung, Schaltung und Fahrwerk arbeiten sehr präzise.

Allerdings: VW hat mit dem Up das Auto nicht gleich neu erfunden, wie die Werbekampagne gerne glauben machen will. Mit seiner praktischen Kastenform ist der kleine Norddeutsche eher die moderne Interpretation des 1993 vorgestellten Renault Twingo. Nur eben auf VW-Niveau.

Neue Notbremsfunktion

Dafür steht das serienmäßige ESP und die erstmals in dieser Klasse angebotene Notbremsfunktion, die bei Geschwindigkeiten zwischen fünf und 30 km/h selbsttätig eine Vollbremsung auslöst und so Auffahrunfälle verhindern oder zumindest die Folgen lindern kann.

Das System kostet in Verbindung mit Geschwindigkeitsregelanlage, Bordcomputer und Einparkhilfe 590 Euro. Klimaanlage und Radio sind im Paket für 895 Euro zu haben und das portable Navigationsgerät mit integrierter Halterung gibt es für 355 Euro.

9.850 Euro Basispreis

Damit wird aber auch klar: Der von Volkswagen so wortreich kommunizierte Basispreis von 9.850 Euro ist in der Praxis kaum einzuhalten. Der Up kommt zunächst mit einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit 44 kW/60 PS (Normverbrauch: 4,5 Liter) oder 55 kW/75 PS (4,7 Liter; Basispreis: 10.450 Euro) auf den Markt. 2012 folgen der 60 PS-Antrieb mit Start/Stopp (4,2 Liter), eine Erdgasvariante und eine viertürige Version, 2013 ein Elektroantrieb.

Und dann dürfen auch die Konzerntöchter ran. Skoda wird den Wagen praktisch baugleich als Citygo anbieten, bei Seat trägt der späte Arosa-Nachfolger den Namen Mii.

Bernd Nusser