Der schwedische Hersteller setzt große Hoffnungen in seine neue Baureihe mit der Limousine S 90 und dem Kombi V 90, der ab September zur Verfügung steht.

Göteborg, Detroit, Essen und jetzt Frankfurt am Main. Volvo zelebriert die Einführung seiner neuen Businessbaureihe S 90 und V 90 nach allen Regeln der Kunst. "Weltpremiere", "statische Präsentation", "Deutschland-Premiere", Städtetour mit zehn Stationen und 6.000 Besuchern – die Schweden lassen seit Monaten keine Gelegenheit aus, um ihre neuen Produkte ins Scheinwerferlicht zu rollen.

Jetzt durften in der Mainmetropole die Handelspartner und erstmals auch deren Personal ran. 900 Mitarbeiter aus Verkauf und Service bekamen vom Hersteller eine Schulung spendiert – inklusive Logis im eleganten Hotel. "Das ist einmalig in der Branche", verdeutlicht Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch die berufsbildende Maßnahme und die generalstabsmäßige Vorbereitung auf den bevorstehenden Verkaufsstart der Limousine S 90 am 22. Juli.

Ehrgeiziger Importeur

Nach dem viel beachteten Debüt des Geländewagens XC 90, der im vergangenen Jahr eine neue Produkt- und Designära bei den zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Skandinaviern einläutete, ist die Mannschaft in der Kölner Importeurszentrale nun erfolgshungrig geworden. Bis 2020 will Bauch jährlich 60.000 Fahrzeuge in Deutschland absetzen. Im ersten Halbjahr 2016 fanden sich 19.388 Kaufwillige und damit 13,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der ganze große Volumenträger wird die Limousine S 90, zumindest in Deutschland,  dabei allerdings nicht werden. Thomas Bauch, erfahrener Automobilmanager mit Stationen bei Opel und Peugeot, rechnet mit "5 Prozent Anteil an den gesamten Volvo-Zulassungen und einem Drittel Anteil an den Verkäufen in der Businessklasse." Die ist schließlich von den  Kombis im gewerblichen Einsatz geprägt. Und auch Volvo verfügt über eine lange Kombi-Historie. Folglich kommt der Markteinführung des V 90 im September die noch größere Bedeutung zu.

4,96-Meter-Limousine im eleganten Design

Dennoch: Mit dem statlichen 4,96-Meter-Viertürer im eleganten, nordischen Design gibt die einst unter Ford-Ägide noch darbende Marke ein echtes Statement ab. Motto: Wir sind zurück auf den Firmenparkplätzen und auf Augenhöhe mit den einheimischen Platzhirschen! Folglich lud der Hersteller auch 120 Betreiber größerer Fuhrparks zur Probefahrt. "Wenn Restwerte und Betriebskosten stimmen, gibt es keinen Grund, ausländische Fabrikate aus der Flotte auszuschließen", wirbt Bauch um Vertrauen.

Zudem ist der Wagen mit Sicherheits- und Komfortassistenten vollgepackt. Besonders stolz sind die Schweden auf ihre "Wildtiererkennung" und die Überwachung des Fahrbahnrandes. So bremst der S 90 selbstständig für Elche und andere Lebewesen dieser Größe und hält auch präzise die Spur. Bis 130 km/h geht es auf Wunsch teilautonom voran, der Fahrer muss lediglich das Lenkrad festhalten.

Zentraler Bildschirm in Tablet-Größe

Wie schon beim XC 90, so verdient sich die Kreativabteilung auch bei der Innenraumgestaltung von Limousine und Kombi einen Extra-Designpreis. Buchstäblich auffällig ist dabei der Zentralbildschirm in Tablet-Größe, über den, nach kurzer "Einarbeitung", die meisten Funktionen gesteuert werden.

Treu ist sich Volvo auch bei der Preisgestaltung geblieben und will in diesem Punkt den süddeutschen Widersachern ganz offensichtlich in nichts nachstehen. So werden für den Vierzylinder-Diesel mit 140 kW/190 PS mindestens 42.790 Euro fällig. Für die gehobene Ausstattungsstufe "Inscription" müssen weitere 10.000 Euro berappt werden.

Selbstbewusste Preisgestaltung

Der stärkere Selbstzünder (173 kW/225 PS) startet, immerhin mit serienmäßigem Allradantrieb, bei 54.450 Euro. Zwei Benzinmotoren (187 kW/254 PS und 235 kW/320 PS) ergänzen das Angebot. Zum Jahresende werden ein Einstiegsdiesel und eine Plug-in-Hybrid-Variante nachgelegt. Und für interessierte Dienstwagenfahrer zur frühzeitigen Kalkulation: Der Kombi-Aufschlag wird ebenfalls stramme 3.000 Euro betragen...

Bernd Nusser