Auf dem Handelsforum 2009 in Karlsruhe präsentiert sich die Branche als krisenfest und zukunftsorientiert. Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister versprach den Mittelständlern Steuerentlastungen.

Das Geburtstagskind hatte die Geschenke selbst mitgebracht: Ernst Pfister, Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, kam am gestrigen Dienstag trotz seines 62sten Geburtstages zum "Handelsforum 2009" nach Karlsruhe und stellte der versammelten Unternehmerschaft gleich eine ganze Reihe von Steuerentlastungen in Aussicht.

"Noch vor der Bundestagswahl muss die Hinzurechnung von Zinsen, Mieten und Leasingraten zur Gewerbesteuer abgeschafft werden", forderte Pfister. "Es ist unsinnig, dass Unternehmen Steuern zahlen sollen, obwohl sie keine Gewinne erwirtschaften". Dieser "Giftzahn der Substanzbesteuerung" müsse noch vor dem 27. September 2009 beseitigt werden, so der Landeswirtschaftsminister.

Ende der Substanzbesteuerung vor der Bundestagswahl

Die Chancen für eine entsprechende Änderung der Unternehmensbesteuerung bezifferte Pfister auf Nachfrage von derhandel.de auf "50:50". "Das höre ich aus Berlin, sonst wird von der großen Koalition nichts mehr auf den Weg gebracht, aber dieser Punkt ist noch realistisch", sagte der Minister und kündigte in der Pressekonferenz zum "Handelsforum 2009" eine Initative des Landes Baden-Württemberg an.

Auch in Sachen Mehrwertsteuer will das Bundesland aktiv werden: "Wir brauchen einen reduzieten Mehrwertsteuersatz für den lohn- und arbeitsintensiven Tourismussektor", bekräftigte Pfister. "Gerade in jetzigen Krise zeigt sich die Bedeutung der privaten Nachfrage als Stütze der Wirtschaft, diesen Zweig müssen wir als zweites Standbein stärken".

Reduzierte Mehrwertsteuer für die Tourismusbranche

In 22 von 27 europäischen Mitgliedstaaten gäbe er bereits geringere Mehrwertsteuersätze etwa für Hotel- und Gastronomiebetriebe. Zusammen mit anderen Bundesländern will Baden-Württemberg eine Gesetzesinitiative in den Bundesrats einbringen, um einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Tourismusbranche einzuführen. Diese Entlastung käme auch dem Einzelhandel zugute. "Tagestouristen geben beipielsweise von einem Euro 62 Cent im örtlichen Handel aus", erläuterte Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des baden-württembergischen Einzelhandelsverband.

Als dritten Punkt kritisierte Pfister auch noch die Reform der Erbschaftsteuer und forderte eine Abschaffung der umstrittenen Abgabe, die "besteuert, was ohnehin schon x-mal besteuert wurde".

Viele Wahlversprechen - zwei Geschenke

Für so viele mittelstandsfreundliche Wahlversprechen erhielt der Jubilar als Dank von den beiden Veranstaltern des Handelsforums zwei symbolische Geschenke: Peter Schneider, Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbandes überrreichte dem Minister ein Sparschwein und Horst Lenk, Präsident des Einzelhandelverbandes Baden-Württemberg, schenkte einen dazu passenden Hammer - "damit das gesparte Geld auch schnell wieder in den Umlauf kommt".

Lenk zog für den Einzelhandel im Land eine positive Bilanz zum ersten Quartal 2009: "Wir hatten in den ersten beiden Monaten ein Minus von 3,1 Prozent, der März und das Ostergeschäft waren aber so gut, dass wir mit positiven Zuwachsraten aus den ersten drei Monaten herausgehen". Die beiden Verbände veranstalten das Handelsforum seit 20 Jahren gemeinsam.

Foto: Monika John
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Zum fünften Mal in Folge wurde in Karlruhe auch der "Zukunftspreis Handel" verliehen. Die beiden ersten Preise teilen sich die Optik Binder AG aus Böblingen und das "abt schöner leben!" aus Ulm (über das GPK-, Haushalts- und Spielwarenhaus am Münsterplatz hatte Der Handel im November 2007 berichtet; den Artikel finden Sie
Foto: Monika John
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). Den dritten Preis erhielt das Modehaus Funk aus Aalen.  Die drei inhabergeführten Unternehmen hatten die Jury in den Bereichen "klares Unternehmensprofil, konsequente Kundenorientierung und offene Mitarbeiterorientierung" überzeugt.