Überraschend ist es nicht, dass Karstadt noch mehr Häuser dichtmachen will. Laut einem Medienbericht sind dabei auch große Filialen. Der Gewerkschaft Verdi kommt bei dem neuen Sanierungskurs aber einiges komisch vor.

Nach der angekündigten Schließung von sechs Karstadt-Häusern stehen nach Medienberichten weitere Filialen auf der Kippe. Größter Verlustbringer sei derzeit die Filiale in Düsseldorf, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung au eine interne Liste des Warenhausunternehmens. Hintergrund seien nicht zuletzt Belastungen aus dem Umbau der Filiale in der Schadowstraße.

Betroffen seien aber auch andere Großstadt-Warenhäuser etwa in München oder Frankfurt am Main, sowie Warenhäuser in kleineren Städten wie Siegen, Bottrop, Celle oder Dessau (Rathaus-Center).

Der neue Chef der Karstadt Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt angekündigt, neben den schon beschlossenen Schließungen für weitere acht bis zehn Häuser "individuelle Lösungen" suchen zu wollen. Dabei werde es etwa darum gehen, Alternativen für den Standort zu finden und mit Vermietern über einen früheren Ausstieg aus den laufenden Mietverträgen zu verhandeln, hatte der 51-jährige Manager in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" gesagt.

Verdi fühlt sich getäuscht

Unterdessen signalisierten Arbeitnehmervertreter bei Karstadt Widerstand gegen das geplante Sparprogramm. In einem Interview mit dem "Münchner Merkur" beklagte etwa der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat, Arno Peukes, eine mangelnde Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter in die Entscheidungen des von dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko übernommenen Unternehmens. "Noch auf der letzten Sitzung des Gesamtbetriebsrats hat die Arbeitgeberseite gesagt, es seien keine Filialschließungen geplant", sagte er der Zeitung.

Nach Aussagen von Peukes habe Karstadt aber bei der Filiale in Hamburg-Billstedt schon lange vorher mit dem Vermieter über eine Auflösung des bis 2020 befristeten Mietverhältnisses verhandelt. "Sonst hätte das Unternehmen nun ja nicht plötzlich den früheren Ausstieg aus dem Mietvertrag verkünden können", sagte der Gewerkschafter dem "Merkur".

Das Haus im Stadtteil Billstedt gehört zu den Filialen, die Karstadt im nächsten Jahr schließen will.

In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete Peukes zudem angesichts des drohende Stellenabbaus über eine mögliche Demotivierung der Karstadt-Mitarbeiter. "Die haben große Angst um ihre Jobs, das ist für das Weihnachtsgeschäft keine gute Voraussetzung", sagte er.