Erstmals in der Geschichte von Karstadt soll eine Frau das Unternehmen führen, heißt es in einem Medienbericht. Der Name ist zwar noch geheim, aber nicht ihr ehemaliger Arbeitgeber.

Es gehört viel Mut dazu, in diesen Zeiten den Chefsessel von Karstadt zu übernehmen. Am 31. Dezember scheidet Andrew Jennings, der bisherige Geschäftsführer des Warenhauskonzerns, aus - und nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll ihn eine Frau beerben. Eine Schwedin. Deren Name ist bisher nicht bekannt. Deren früherer Arbeitgeber laut "Süddeutsche Zeitung" nicht: Ikea. Ihre neue Aufgabe: Ein Unternehmen renovieren, das nicht nur Investitionsstau, schlechte Zahlen beklagt und frustrierte Mitarbeiter hat - sondern mittlerweile auch eine neue Eigentümerstruktur, in der der bisherige Besitzer Nicolas Berggruen vom Österreicher René Benko abgelöst wird.

So sympathisch es erst einmal klingt, wenn eine Frau eine derartige Führungsposition im deutschen Einzelhandel übernimmt - welche Aufgabe hat sie wirklich? Soll die einstige Ikea-Managerin nun Karstadt aufmöbeln? Oder ist sie auch nur eine Chefin auf Zeit? Eine, die eben gut bezahlt einspringt, weil kein anderer wollte, weil Benko und sein Geschäftspartner Beny Steinmetz, der als neuer potenzieller Investor ante portas steht, ganz andere Pläne mit dem Traditionsunternehmen haben? Etwa die lukrative Segmente Premium und Sport auszubauen - und den Rest stillzulegen.

Benko erwartet Verdi - im Januar

Am 11. Dezember trifft sich der Karstadt-Aufsichtsrat, ein Gremium, das laut "Süddeutsche Zeitung" durch Betreiben von Berggruen an Kompetenz verloren haben soll. Die Geschäftsordnung des Rates sei geändert worden, die Karstadt-Geschäftsführung könne ohne Rücksprache über große Summen verfügen, heißt es in dem Bericht weiter.

Erst im Januar wiederum werden Vertreter der Gewerkschaft Verdi bei Benko vorgelassen. Dann sind gut drei Monate vergangen, seitdem er von Berggruen den Großteil der Premium- und Sporthäuser übernommen hat. Bis dahin hat der österreichische Immobilienprofi viel Zeit, sich und das Unternehmen zu sortieren. Inklusive der Vorstellung der neuen Chefin.