Was bisher für Äpfel und Birnen galt, betrifft nun auch Jacken wie Hosen: Ökologisch korrekte Herstellung. Kritiker beklagen aber mangelnde Ethik in der Branche.

Vom Lippenstift über den Kapuzenpulli bis hin zu den Schuhen ist inzwischen das komplette Outfit in ökologisch korrekter Variante erhältlich. Selbst Gürtel, Schals und Unterwäsche gibt es mit Bio-Siegel. "Heute sind die Sachen genauso schön und aufregend wie der Rest der Mode", schildert Kirsten Brodde.

Die frühere Greenpeace-Mitarbeiterin hat vor kurzem ein Buch über das Thema veröffentlicht und beobachtet, dass "grüne Mode" derzeit die Haupteinkaufsstraßen erobert. "Im Moment schießen kleine Läden aus dem Boden, die sich ausschließlich auf solche Mode konzentrieren", berichtet Brodde.

Auch große Textil-Ketten wie C & A haben Bio-Jeans oder Öko-Sweatshirts im Angebot - zu den gleichen Preisen wie Markenkleidung. Ein Kritikpunkt bleibt jedoch: "Im Moment haben wir einen Bio-Boom, aber die Ethik hängt hinterher", sagt Brodde. Während die großen Häuser eher aus Marketinggründen denn aus Überzeugung auf das Thema aufgesprungen seien, versuchten die kleinen Labels, biologisch und fair zugleich zu sein.

Kaufkräftige Kundschaft im Visier

Dabei können sie auf eine große und zahlungskräftige Zielgruppe zugreifen, die sogenannten Neo-Ökos oder LOHAS, der englischen Abkürzung für Menschen mit einem an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientierten Lebensstil. "Der grüne Lifestyle hat bei den meisten im Kühlschrank begonnen, dann weitere Branchen wie Kosmetik, Reisen und Strom erfasst", schildert Brodde. "Mittlerweile gibt es Bio-Kleidung für drunter und drüber."

Dennoch reicht es für wirtschaftlichen Erfolg nicht aus, einfach nur biologische Aspekte zu berücksichtigen. "Ich habe eigentlich die letzten Jahre niemandem mehr gesagt, dass ich ökologisch produziere", erinnert sich Claudia Lanius vom gleichnamigen Kölner Label.

Die Betonung habe sie immer auf ihre modischen Schnitte und Farben gelegt, das Etikett "Bio" habe den konventionellen Handel eher abgeschreckt. Dabei steckt hinter dem Etikett viel Engagement: "Ich kenne jeden meiner Produzenten, ich habe jede Fabrik besucht, und ich weiß genau, wo meine Stoffe hergestellt werden", betont Lanius.

Die Kunden legen jedoch in erster Linie Wert auf modische Aktualität. Zwar bieten einige Firmen noch immer farbenfrohe Strickkleider mit Blumenmotiven an, doch gibt es ebenso junge Labels, die auf Streetware oder femininen Großstadtschick setzen - oftmals per Internet. Denn noch immer ist der Markt klein, längst nicht jeder hat einen Bio-Kleiderladen um die Ecke.

Ein Prozent Marktanteil - Tendez steigend

Optimistische Schätzungen gingen von einem Marktanteil von einem Prozent in Deutschland aus, sagt Brodde. Der Anteil von Bio-Baumwolle an der gesamten Baumwollernte sei in den vergangenen Jahren zwar rasant gestiegen, doch liege er noch immer bei weniger als einem Prozent.

Knapp 146 Millionen Tonnen betrug die Ernte nach Angaben der Organisation Organic Monitor im Jahr 2007. Die Hauptherstellerländer sind Indien, Syrien, die Türkei und China, während die meisten Käufer in den USA und Großbritannien leben.

Noch immer mangelt es der Öko-Mode im öffentlichen Bewusstsein an dem Glamour, den sie etwa in den Vereinigten Staaten genießt. Auch ein einheitliches Siegel fehlt - bis zu 20 verschiedene Kennzeichen finden sich in deutschen Läden, viele Unternehmen haben ein eigenes eingeführt.