Auch vor diesem Weihnachtsgeschäft steigt wieder im Einzelhandel die Angst vor Warenschwund. Dass diese nicht nur zur Weihnachtszeit berechtigt ist, beweisen aktuelle Zahlen.

Warenschwund bleibt im Einzelhandel eine fast unlösbare Aufgabe. Im Jahr 2013 kostete dieses Phänomen der Branche weltweit umgerechnet 96,8 Milliarden Euro. Das entspricht 1,29 Prozent des Umsatzes, wie das "Globale Diebstahlbarometer 2013/2014" ergeben hat.

Das Barometer ist eine regelmäßige Studie des Analyseunternehmens The Smart Cube (London) und Checkpoint Systems, einem Hersteller von Warensicherungssytemen (Hirschhorn). Für deutsche Händler hat die Studie vergleichbar gute Nachrichten, denn hierzulande ist der Warenschwund etwas geringer als in anderen Ländern. Trotzdem summierten sich die Verluste in Deutschland auf 4,7 Millarden Euro, das sind 1,1 Prozent des Umsatzes.

Der deutsche Einzelhandel investierte im vergangenen Jahr 0,82 Prozent seines Umsatzes (3,5 Milliarden Euro) in Anti-Diebstahlmaßnahmen. Rechnerisch "zahlte" daher jeder Deutsche 2013 eine "Diebstahl-Steuer" von 87 Euro, heißt es in der Studie.

Nicht überraschend: Hauptursache für Warenschwund bleibt der Ladendiebstahl. Demnach stehen Langfinger für 37,6 Prozent der Verluste. Fast genauso hoch schlagen die Kosten durch unehrliche Mitarbeiter (35,4 Prozent) zu Buche, gefolgt von administrativen Fehlern (22,1 Prozent) und unehrlichen Lieferanten (4,9 Prozent).

Lieblingsbeute: Klein, teuer und hoher Wiederverkaufswert

Gestohlen wird, was klein und teuer ist und einen hohen Wiederverkaufswert hat. Und das sind vor allem Modeaccessoires und Schmuck, Elektrowerkzeuge, Mobiltelefone und -zubehör sowie Make-up-Artikel. Aber auch Weine, Spirituosen, Frischfleisch und Delikatessen sind gern gemacht Beute, schreiben die Studienautoren.

Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft erweist sich dabei für den Handel als Hochphase des Warenschwunds. 63 Prozent der europäischen Einzelhändler geben an, in der Weihnachtszeit den höchsten Warenschwund festzustellen.

Schaden entsteht laut Studie nicht nur durch gestohlene Waren, sondern auch durch eine fehlende Warenverfügbarkeit. "Sobald im Regal eine Lücke klafft, können die Wünsche der Kunden nicht mehr erfüllt werden und dem Händler entgeht zusätzlicher Umsatz", erklärt Warenschwundexperte Hans-Jürgen Nausch von Checkpoint Systems. Für den stationären Einzelhandel sei eine hohe Warenverfügbarkeit gerade in Zeiten eines zunehmenden Internethandels erfolgsentscheidend, um die Kunden über ein positives Einkaufserlebnis an sich binden zu können.