Lego ist das Opfer des eigenen Erfolges. Der dänische Spielzeughersteller kommt kaum nach die Kundenwünsche zu befriedigen. Doch deutsche Händler bleiben gelassen, das gilt für kleine und große wie Kaufhof (Aktualisiert).

Die Zukunft liegt in Monterrey. In der nordmexikanischen Stadt beginnt Lego im November mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte - 2022 soll das 190.000 Quadratmeter große Werk in Betrieb gehen. Zudem will Lego die Fabrik in der ungarischen Stadt Nyiregyhaza bis zum Jahr 2020 ausbauen.

Eigentlich müssten die Werke schon gestern produzieren. Denn die Kunden reißen dem dänischen Traditionshersteller von Kinderspielzeug die Ware aus den Händen. Und daher heißt es wieder einmal vor dem Weihnachtsgeschäft: Es gibt Lieferengpässe. Was vor Weihnachten bestellte worden sei, könne dem Handel ausgeliefert werden, sagte ein Unternehmenssprecher. "Obwohl wir alles tun, was wir können, werden wir aber nicht alle Produkte ausliefern können, die der Handel in mehreren europäischen Ländern darüber hinaus für 2015 nachfragt", teilte er weiter mit.

Händler sind selbstbewusst

Lego wird vom eigenen Erfolg überrollt, und der wird von den Zahlen dokumentiert. Denn im ersten Halbjahr 2015 setzte das Unternehmen weltweit 1,9 Milliarden Euro um, das ist ein Plus von 18 Prozent. Kalkuliert waren etwa 3 Prozent. Geholfen hat bei dieser sagenhaften Planübererfüllung auch der günstige Wechselkurs Dänische Krone / Euro.

Für den Spielwarenhandel sind Lieferprobleme von Lego zum Weihnachtsgeschäft nicht neu, auch 2006, 2007 und 2008 gab es Engpässe. Daher dürfte auch die abermalige Nachricht für Stirnrunzeln in der Branche sorgen. Denn kein Lieferant ist wichtiger für das Spielwarensortiment als Lego. Gemessen am Gesamtumsatz des Fachhandels macht der Anteil mit den bunten Klötzchen aus Dänemark zwischen 15 und 17 Prozent aus - an diesen Wert reichen andere Hersteller so schnell nicht heran.

Wieland Sulzer strahlt trotz der aktuell schlechten Nachrichten Ruhe aus. "Der Endverbraucher braucht keine Angst haben, etwas nicht zu bekommen", versichert der Marburger Spielwarenhändler und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels im Gespräch mit Der Handel.

Kaufhof hat ebenfalls vorgesort

Sulzer sagt, dass sich die Branche früh auf einen möglichen Lieferengpass eingestellt habe. Sprich: Man hat sich früher und reichlicher als sonst bevorratet. Auch für sein Geschäft sieht der Marburger Unternehmer daher kaum Probleme, freilich bleibt eine Restangst, "dass auch ausreicht, was ich bestellt habe".

Auch bei Kaufhof ist die Lage offenbar entspannt. Derzeit gebe es keine Probleme mit Lego, das Unternehmen "liefert die geplanten Mengen innerhalb der geplanten Zeiträume aus", sagt Wolfgang Höger, Category Manager Spielwaren beim Warenhausunternehmen zu Der Handel. Aber was droht im Weihnachtsgeschäft? "Wir haben keinen Grund zu übertriebener Sorge. Lego wird auch weiterhin die geplanten Mengen ausliefern", ist sich Höger sicher.

Freilich hat auch Kaufhof nichts dem Zufall überlassen und die eigenen Planungen auf eine stärkere Nachfrage ausgerichtet, wie der Spielwarenchef erklärt. Dass die Kunden in der Tat an Lego-Klötzchen interessiert sind wie lange nicht mehr, spürt auch Kaufhof. Die Nachfrage ist "deutlich stärker als im Vorjahr", sagt Höger. Die Modelle "Ninjago", "Lego City", "Star Wars" und "Technik" seien dabei am meisten gefragt.

"Das ist eine Firmenkonjunktur

Für Sulzer ist das Phänomen Lego ein Sonderfall, weil "eine Firmenkonjunktur, keine Branchenkonjunktur". Die Dänen standen 2003 kurz vor der Insolvenz - und legten dann 2004 einen noch nie gesehenen Neustart hin. Schmaleres Sortiment, Wiedereinführung der Marke Duplo - und die Inszenierung von Geschichten rund um die Bauklötzchen lautet die Formel für den sagenhaften Erfolg der Dänen, der nun seit Jahren andauert.

Mittlerweile ist Lego auch in den chinesischen und nordamerikanischen Märkten unterwegs - das sorgt zusätzlich für sagenhafte Absatzsprünge. Gut für deutsche Händler, wenn sie rechtzeitig die Läger aufgefüllt haben.