360 Grad HealthCare heißt ein neuer Dienstleister für Apotheker. Das Angebot umfasst günstigen Einkauf sowie die Modernisierung eines Unternehmens. Trotzdem soll alles klein und fein bleiben.

Der Auftritt ist kraftvoll, der Optimismus groß. Ein bisschen vermittelt Rüdiger Ott das Gefühl, als würde er an diesem Tag eine neue Zeitrechnung für den Apothekenmarkt einläuten. Dabei soll alles "klein und fein" sein, wie es der Vorstandsvorsitzende der 360 Grad HealthCare AG (gegründet im November 2008, Sitz in Montabaur) heute in Frankfurt formuliert.

Einkaufsgenossenschaften, Franchise-Modelle oder Kooperativen für Apotheker sind nicht neu - Ott will nun alles besser machen. Vor allem anders. "Apotheker können deutlich mehr, als lediglich Medikamente auf Rezepte abzugeben", betont er.

Nur einkaufen oder auch eine Marke repräsentieren

Unter dem Dach von 360 Grad HealthCare soll eine Apotheke zu einem lokalen Gesundheitszentrum werden, mit Vorsorge-, Wellnessangeboten - vernetzt mit Haus- und Fachärzten. Ein Apotheker kann wählen, ob er sich diesem neuen Dienstleister nur per Einkaufsgemeinschaft oder dem umfangreicheren Angebot der Markengemeinschaft anschließen möchte.

Zum letzteren gehören unter anderem wechselnde auf regionale Anforderungen abgestimmte Gesundheitsprogramme und die betriebswirtschaftliche Optimierung des Unternehmens sowie die Vorteile der Einkaufsgemeinschaft.

Keine neue Einkaufsmacht

Wo 360 Grad künftig seine Medizin beschafft, ist noch offen. "Wir sind offen für alle Großhändler", sagt Wilfried Edlich, Vorstand und zuständig für Vertragsangelegenheiten bei 360 Grad. "Eine neue Einkaufsmacht werden wir aber nicht", versichert Ott allerdings.

Sein Plan ist, dass sich in den kommenden fünf Jahren 500 Apotheken (21.500 Betriebe gibt es derzeit in Deutschland) unter dem Dach von 360 Grad sammeln. "Das ist eine beliebte Mittelgröße", sagt der Vorstandsvorsitzende, selbst gelernter Apotheker - und seit langem als Berater und Dozent in der Pharmabranche unterwegs.

150 Interessenten

Mit 150 Geschäften sei man bereits im Gespräch, versichert Ott. Diese Interessenten sind  allesamt Klienten der Anwaltskanzlei Dr. Schmidt und Partner (Koblenz), der auch eine Apothekenakademie angeschlossen ist. Diese hat Matthias Sabel aufgebaut, der bei 360 Grad nun für den Apothekenservice zuständig ist. Dr. Schmidt und Partner ist letztlich auch der große Investor im Hintergrund und Hauptaktionär der 360 Grad AG.

Ott, Edlich und Sabel gehen ab sofort in Deutschland auf Informationstour, um Apotheker von einer Mitgliedschaft bei 360 Grad zu überzeugen. Wer das volle Leistungspaket (Markengemeinschaft) erhalten möchte, muss eine Aufnahmegebühr in Höhe von 4.000 Euro plus monatlich 990 Euro zahlen. Die abgespeckte Version (Einkaufsgemeinschaft) kostet 1.000 Euro Aufnahme- und 390 Euro Monatsgebühr. Die Mindestdauer einer Mitgliedschaft beträgt immer drei Jahre.

Keine Lust auf Kettenapotheke

Ulrich Kuhl ist der Mann der ersten Stunde bei 360 Grad. Der Apotheker aus Andernach ist bereits Mitglied der neuen Kooperative. "Ich möchte unabhängig bleiben und keine Kettenapotheke werden", sagt er. Damit entspricht Kuhl dem Anspruch von 360 Grad: Die stationäre Apotheke stärken - aber mit zeitgemäßen Strukturen.

Weil hier nicht mehr jedes Unternehmen mithalten kann, dürfen auch nur die Geschäfte bei 360 Grad Mitglied werden, die bereits Erfahrungen haben mit den Angeboten eines Gesundheitszentrums. Das schließt auch räumliche Mindestanforderungen ein. Ulrich Kuhl bereitet seine Apotheke einstweilen auf den neuen Markt vor: Er baut das Geschäft um.