Die Kritik an Schlecker wächst: Die Drogeriekette soll über eine Zeitarbeitsfirma Lohndumping betreiben. Nicht nur Bundesarbeitsministerin von der Leyen fordert Aufklärung.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen macht Druck auf Schlecker. Die Ministerin will prüfen, ob die Drogeriekette über Zeitarbeitsfirmen Lohndumping betreibt: "Bei Schlecker gucken wir sehr genau hin, ob da Missbrauch betrieben wird oder ob Gesetze umgangen werden. Wenn das der Fall ist, werden wir diese Schlupflöcher schließen, dann müssen wir gesetzlich nachsteuern", sagte die CDU-Politikerin in der ARD-Sendung "Anne Will" am Sonntagabend.

"Nicht im wilden Westen"

Von der Leyen verwies auch auf die Handlungsmöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit, die bei jeder Zeitarbeitsfirma für die Genehmigung zuständig sei. Diese Lizenz müsse auch erneuert werden. "Da gibt es Mechanismen. Wir sind ja nicht im wilden Westen", so die Politikerin. 

Die Drogeriekette steht wegen ihrer Beschäftigungsstrategie heftig in der Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" schließt der Konzern bisherige Schlecker-Filialen und eröffnet in unmittelbarer Umgebung neue XL-Märkte. Diese Beschäftigte verdienen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi aber nur noch halb so viel wie Mitarbeiter in den alten Schleckerläden.

Stundenlöhne von 6,50 Euro

In den XL-Markten kommen laut Zeitungsbericht insbesondere Arbeitnehmer der Zeitarbeitsfirma Meniar zum Einsatz, der lediglich Stundenlöhne von 6,50 bis 7 Euro zahlt. Außerdem gebe es weniger Urlaubstage und kein Weihnachts- und Urlaubsgeld. Meniar, deren Geschäftsführer ein langjähriger Personalmanager von Schlecker ist, hat nach Angaben von Verdi bereits mehr als 4.000 Leiharbeiter an Schlecker vermittelt.

"Wir sind davon überzeugt, dass die Zeitarbeitsfirma konzernintern gegründet wurde, um Tarifverträge zu unterlaufen," sagte der Verdi-Unternehmensbetreuer Achim Neumann.

Selbst die Zeitarbeitsbranche wendet sich von der Drogeriekette ab: Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), Ludger Hinsen, sagte, dass Schlecker mit der Firma Meniar die Zeitarbeit lediglich dazu nutze, die Arbeitsbedingungen der ursprünglich direkt bei Schlecker beschäftigten Arbeitnehmer zu drücken.

Sytematische Tarifflucht

Besonders erbost zeigte sich der Arbeitsminister Nordrhein-Westfalens, Karl Josef Laumann (CDU). In der "Süddeutschen Zeitung" wirft er Schlecker systematische Tarifflucht vor, "die das soziale Gefüge in Schieflage bringt".

Zeitarbeit sei dazu da, betriebliche Auftragsspitzen aufzufangen oder im Falle von Urlaub und Krankheit Vertretungen bereitzustellen, betonte Laumann. Sie dürfe nicht dazu missbraucht werden, "um mit ihrer Hilfe Stammbelegschaften zu ersetzen", hieß es in einem Brief des Ministers an die Schlecker-Beschäftigten.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP, Heinrich Kolb, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "So, wie das bei Schlecker läuft, darf das nicht sein." Mit seinem CDU-Kollegen Karl Schiewerling sei er sich bei diesem Thema einig. Schiewerling wolle  noch für Januar ein entsprechendes Gespräch mit Ministerin von der Leyen an, schreibt die Zeitung.

Schlecker kritisisiert die Kritiker

Schlecker hat die Lohn-Dumping-Vorwürfe mittlerweile zurückgewiesen. Die Arbeitsbedingungen bewegten sich vollkommen im Rahmen des allgemein Üblichen und entsprechen darüber hinaus in jedem Fall den geltenden Bestimmungen, betonte das Unternehmen am Montag in Ehingen.

Schlecker behauptet, Verdi habe bereits in der Vergangenheit "gezielte Desinformations- und Diffamierungskampagnen" betrieben. "Es muss befremdlich erscheinen, dass nun Politiker, deren Parteien seit langem stets die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse gefordert und gesetzlich gefördert haben, nun hier - offenkundig aus populistischen Motiven - mit einzustimmen scheinen!", hieß es weiter.

Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte am Montag in Berlin, man habe von Schlecker eine Stellungnahme eingefordert, diese liege aber noch nicht vor.